Es hat sie auf dem falschen Fuss erwischt: Dutzende UBS-Banker haben den Tag unerwartet nicht mit dem Handel von Finanzprodukten verbracht, sondern beim Bier im Pub «Railway Tavern», einen Steinwurf entfernt von der UBS-Zentrale im Londoner Finanzdistrikt.

Jeder neu hinzukommende Kollege wird mit lauten Hallo begrüsst. «Ich bin um 7.20 Uhr ins Büro gekommen», erzählt ein Händler. «Aber mein Sicherheitschip funktionierte nicht. Ein bulliger Türsteher brachte mich zum Aufzug - wo schon ein anderer bulliger Türsteher auf mich wartete. Dann bin ich direkt hierher gekommen, also, naja, nicht wirklich direkt, weil das Pub erst um 8 Uhr aufsperrte. Also war ich vorher noch einen Kaffee trinken.»

Nach und nach erscheinen die Händler an ihrem bisherigen Arbeitsplatz - um dann doch nicht ins Büro zu dürfen. Die Schlange der draussen Stehenden wird immer länger. Schliesslich beschliessen einige, Unterschlupf im Pub zu suchen, nahe der Station Liverpool Street im Herzen des Finanzdistrikts.

Bezahlter Urlaub, bis auf weiteres

Rund 20 von ihnen stehen hier nun, prosten sich mit Lager-Bier zu - und können es doch noch nicht so richtig fassen. Klar habe man von geplanten Entlassungen gehört, doch die Zahl 10'000 habe man nicht glauben können. «Und nun sitze ich hier», sagt einer entgeistert.

Statt Zutritt gab es für die Banker Plastiksäcke - mit den persönlichen Habseligkeiten aus dem Schreibtisch. Manch einer ruft einen Kollegen im Gebäude an, damit er die Sachen nach draussen bringt.

Die Händler haben einen Brief der UBS erhalten: bezahlter Urlaub, bis auf weiteres. Offiziell sind sie weder gekündigt noch Risiko-Kandidaten. Aber die Sache mit dem Sicherheitschip ist schon ein Wink mit dem Zaunpfahl. Wenn eine solche Eintrittskarte nicht mehr funktioniert, ist das in der Branche oft ein klarer Hinweis, dass mit dem Job etwas im Argen liegt.

Investmentbanken machen das so, weil sie verhindern wollen, dass zusammen mit dem Banker sensible Daten das Haus gleich mit verlassen.

Philosophische Trader

Im Pub stehen immer noch viele Krawattenträger. Nur einer war inzwischen kurz daheim, hat sich umgezogen und trägt nun Jeans und T-Shirt. Den Rest des Tages will er mit den Leidensgenossen verbringen.

Schliesslich wird es philosophisch: Der Stellenabbau sei für ihn persönlich zwar der Horror und er wisse noch nicht, was als nächstes komme, sagt ein Händler. «Aber es ist die richtige Entscheidung der UBS. Die City of London verändert sich, und dies ist ein Teil davon.»

(tno/aho/sda)

finews.ch zeigt den Brief an die freigestellten UBS-Leute

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