Die sinkende Passagiernachfrage wegen der Wirtschaftskrise zwingt Swiss zu zusätzlichen Sparmassnahmen. Es werden aber nicht nur weitere Flugfrequenzen gestrichen sowie eine zweite Langstrecken-maschine stillgelegt, wodurch das Angebot um 6% reduziert wird. Der Hebel wird vermehrt beim über 7300-köpfigen Personal angesetzt - prioritär nicht in der Luft, sondern am Boden.

«Uns wurde vom Management dringend nahegelegt, noch im Sommer zwei Wochen unbezahlten Urlaub zu nehmen, intern UbU genannt», verrät eine Backoffice-Kraft der Swiss, die anonym bleiben will. Betroffen sind rund 1000 Angestellte aus rückwärtigen Bereichen, die keinen direkten Kundenkontakt haben. Die Fluggesellschaft versucht so, bis zu 200 Entlassungen zu vermeiden.

«Ja, wir haben viel leichtere Zugänge zum UbU implementiert», erklärt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel auf Anfrage, «aber es besteht kein Zwang, diesen zu beziehen.» Es werde lediglich «empfohlen», ab Juli umsonst frei zu nehmen. Beim fliegenden Personal (fast 4500 Angestellte) ist dieser Schritt anscheinend auch in Verhandlungen, wie zwei Maitres de Cabine berichten.

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Vorderhand kein Thema bei Swiss scheint gemäss Aussagen von Donzel die Ausweitung der Kurzarbeit zu sein. Diese ist für Swiss World Cargo bis Ende November beantragt und von den Arbeitsämtern ab Anfang Juni bewilligt worden. Die 100 betroffenen Frachtmitarbeiter in der Schweiz arbeiten für die nächsten sechs Monate je einen Tag pro Woche weniger, sie erhalten dafür je nach Salär- und Kaderstufe bis zu 95% ihres Monatslohns. Nicht nur die Luftfahrtindustrie spürt die Folgen der Rezession, auch die drei grössten Reiseveranstalter des Landes. Ihre Umsätze mit den Buchungen für das Sommerhalbjahr liegen unter der Vorjahresperiode: M-Travel Switzerland (Hotelplan-Gruppe) meldet ein Minus von 5%; TUI Suisse spricht von einem Rückgang von 15%; und bei Kuoni Schweiz liegt der Wert wohl irgendwo dazwischen.

Aufgrund dessen ist nun Kurzarbeit kein Tabuthema mehr: Das Mittel wird im Call Center von Vögele Reisen eingeführt, die Tochtergesellschaft von TUI Suisse ist auf den Direktverkauf von preiswerten Ferien spezialisiert. Die Reduktion der Einsatzzeiten betrifft aber keine 4% aller Angestellten von TUI in der Schweiz, so Pressesprecher Roland Schmid.

Kuoni und Hotelplan bauen ab

Sogar vor Entlassungen wird nicht mehr zurückgescheut: Die Hotelplan-Gruppe hat am Hauptsitz bislang 55 Stellen abgebaut. Im Kuoni-Konzern verschwinden bei Railtour und Frantour 30 Arbeitsplätze, weil die Spezialisten für Bahn- und Städtereisen mehr Synergien nutzen. Als weiteres Mittel zum Abbau dient der Reisebranche die hohe Fluktuation. So bei TUI Suisse, wo der Personalbestand seit Januar um 17 auf 572 Beschäftigte zurückgegangen ist. «Wir ersetzen die Leute, die ausscheiden, zurzeit nicht», sagt Schmid.

Zusammengerechnet gehen bei Kuoni, Hotelplan und TUI hierzulande im 1. Halbjahr mehr als 100 Stellen verloren.