1. Home
  2. Unternehmen
  3. Zwei Airlines buhlen um die Reste von Air Berlin

Verkauf
Zwei Airlines buhlen um die Reste von Air Berlin

Zwei Airlines interessieren sich für die Reste von Air Berlin
Air Berlin: Lufthansa hat ein Grossteil der Flugzeuge bereits gekauft. Getty

Easyjet verhandelt über den Kauf von Air-Berlin-Flugzeugen. Und auch eine zweite Airline möchte offenbar noch Maschinen der insolventen Gesellschaft kaufen.

In die Gespräche zum Verkauf von Teilen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin kommt Bewegung. «Air Berlin verhandelt derzeit mit zwei Bietern, mit Easyjet und Condor», sagte eine mit der Situation vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. «Das Rennen ist völlig offen.»

Ein Air-Berlin-Sprecher verwies auf eine Presseerklärung vom Freitag, wonach die Exklusivität der Verhandlungen mit Easyjet aufgehoben sei. Sprecher des britischen Billigfliegers und der Thomas Cook-Tochter Condor lehnten eine Stellungnahme dazu ab. Derweil hängt die Schaffung einer Auffanglösung für rund 4000 Beschäftigte der Berliner Airline am seidenen Faden. Sie steht und fällt mit der finanziellen Beteiligung von Bund und den deutschen Bundesländern. Eine Entscheidung soll am Mittwoch fallen.

Einigung in dieser Woche

Air Berlin verhandelte zuletzt mit Easyjet über die Übernahme von rund 25 Maschinen am Standort Berlin. Die Briten diskutieren mehreren Insidern zufolge intern, ob sie nach dem Brexit wie geplant ein zweites Standbein im EU-Land Österreich aufbauen oder sich mit dem Kauf von Air-Berlin-Teilen stärker in Deutschland engagieren sollten. In den Gesprächen mit Condor geht es einem Eingeweihten zufolge um weniger als zwei Dutzend Flugzeuge. In jedem Fall müsse es bis Ende dieser Woche eine Einigung geben, hiess es. Denn Air Berlin stellt den Flugbetrieb in eigener Regie am Freitag ein.

Bis dahin muss auch geklärt sein, ob es zu einer Transfergesellschaft kommt. «Wir sind in einer kritischen Situation vor den abschliessenden Gesprächen», sagte der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning, in Berlin. Er appellierte an den Bund, Nordrhein-Westfalen und Bayern, Air Berlin selbst und Käufer von Unternehmensteilen der Airline, sich ihrer Verantwortung für die Beschäftigten zu stellen.

Hilfe bei der Jobsuche

Die angepeilte Transfergesellschaft soll helfen, Mitarbeiter ohne Jobperspektive zu schulen und zu vermitteln. Bayern will dafür aber kein Geld geben. Der Freistaat sehe die Unternehmen in der Pflicht, erklärte eine Sprecherin des Arbeitsministeriums in München. Die in Bayern betroffenen Beschäftigten dürften nach Einschätzung der Landesregierung ohnehin rasch neue Stellen auf dem boomenden Arbeitsmarkt in der Region finden.

Böhning signalisierte, dass bei einem Scheitern tausenden Beschäftigten die Kündigung bevorstehe. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, «damit die Kolleginnen und Kollegen der Air Berlin nicht schon nächste Woche drohen auf der Strasse zu stehen». Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, hatte jüngst zur Eile gemahnt und erklärt, bis Anfang November müsste etwa 4000 Mitarbeitern gekündigt werden. Air Berlin kalkuliert intern mit Kosten von rund 50 Millionen Euro für die Transfergesellschaft. Der Konzern will ein Fünftel davon selbst aufbringen und erhielt dafür grünes Licht von seinen Gläubigern. Die Lufthansa bekräftigte erneut, dass sie sich nicht beteiligen werde.

Neue Eigentümer für Cargo-Sparte

Derweil hat die Air Berlin für seine Tochter Leisure Cargo mit ihren 60 Mitarbeitern neue Eigentümer gefunden. Die Bietergemeinschaft der Berliner Zeitfracht-Gruppe übernimmt den Düsseldorfer Frachtraumvermittler, der Spezialist für die Mitnahme von Luftfracht in Passagierflugzeugen ist. Die Verhandlungen des Konsortiums über einen Kauf der Techniksparte von Air Berlin würden fortgesetzt, erklärte Zeitfracht-Chef Wolfram Simon. Sie sollten bald erfolgreich abgeschlossen werden. Der Technik-Bereich hat mehr als 1000 Beschäftigte mit grösseren Standorten in Berlin, Düsseldorf und München. Zeitfracht übernimmt zudem die Kölner WDL-Aviation, die derzeit mit 95 Beschäftigten vier regionale Frachtflugzeuge betreibt.

(reuters/mbü)

Anzeige