An Talent mangelt es den beiden Genfern nicht, das haben sie längst bewiesen: Raphaël De Sousa gewann als Junior das British Boys Open (2001) und belegte am prestigeträchtigsten Amateurturnier Europas, der British Amateur Championship, Platz 2 (2003). Julien Clément sicherte sich an der Qualifying School 2002 überraschend die Karte für die PGA European Tour und setzte sich im darauf folgenden Jahr auf höchster europäischer Stufe ausgezeichnet in Szene, zum Beispiel mit dem 8. Platz auf der portugiesischen Blumeninsel Madeira.

Abstieg begann vor dem Aufstieg

Doch schon 2004 begann der Abstieg; am Ende der Saison verlor Clément die Tourkarte. Und es kam noch schlimmer; der Romands überstand 2006 selbst auf der Challenge Tour nur vier- von 18-mal den Cut. «Ich hatte technische Probleme, der Schwung fühlte sich nicht gut an. Und allmählich begann ich an mir zu zweifeln», sagt der heute 27-Jährige rückblickend.

Zur selben Zeit geriet auch De Sousa in ein grosses Loch; 2006 qualifizierte er sich auf der zweithöchsten Stufe in 17 Anläufen kein einzigesmal für das Finalwochenende. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich hätte damals stets Spass gehabt. Denn Golfspielen macht keine Freude, wenn man fast bei jedem Schlag Angst hat, einen Fehler zu machen», erzählt der 25-Jährige.

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Tempi passati. Mittlerweile macht den beiden Genfer Kollegen das Golfen wieder Spass. Und wie! Raphaël De Sousa hat in diesem Jahr schon vier Top-10-Rangierungen realisiert und ist auf dem bestem Weg, die Challenge Tour unter den ersten Zwanzig abzuschliessen und sich erstmals die Tourkarte für die Europa-Tour zu sichern.

Clément, der an einigen Turnieren mit seinem Copain das Zimmer teilt, hat sich inspirieren lassen. Er habe davon profitiert, wenn Raphaël ihm berichtet habe, wie dessen Selbstvertrauen gestiegen sei, meint der Ältere der beiden Romands. «Wir können uns gegenseitig motivieren.»

Nach einigen soliden Leistungen platzierte er sich in Lyon als 7. und in der Woche danach an der Credit Suisse Challenge in Luterbach SO gar als 5. Im Golfclub Wylihof stellte er grosse Reife unter Beweis, als er vor heimischem Publikum dem Druck standhielt und sich auch nicht aus der Ruhe bringen liess, als ihn eine Crew der Schweizer Fernsehens begleitete.

Erfolge färben aufs Team ab

De Sousa hat mit seinem Aufschwung nicht nur Clément motiviert. Routinier André Bossert zum Beispiel, der in der nationalen Hierarchie abzurutschen drohte (siehe Loch 8), gibt zu, dass er vor seinem Triumph in Österreich «Feuer unter dem Hintern» gespürt hat.

Raphaël De Sousa und Julien Clément sind auf gutem Weg. Gehen sie ihn weiter, werden sie sich dereinst auch auf der «grossen» Tour gegenseitig motivieren können – vielleicht schon im nächsten Jahr. Vorerst aber müssen sie sich am wichtigsten Schweizer Turnier in Crans-Montana beweisen.