In Italien steht eine Grossfusion unter Banken bevor. Banco Popolare und Banca Popolare di Milano (BPM) wollen sich zum drittgrössten Kreditinstitut Italiens zusammenschliessen. Durch die Fusion entsteht eine Bank mit einer Bilanzsumme von 171 Milliarden Euro.

Im Rahmen der Transaktion werde Banco Popolare das Kapital um eine Milliarde Euro erhöhen, teilten beide Banken am Mittwochabend gemeinsam mit. Das fusionierte Institut solle seinen Hauptsitz in Mailand und Verona haben. Es wäre nach Intesa Sanpaolo und Unicredit die Nummer drei des Landes. Die neue Bank mit rund 2500 Zweigstellen und 25.000 Mitarbeitern will durch die Fusion auf mittlere Sicht 365 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Mehrheit für BPM

BPM-Aktionäre werden dem Plan zufolge 54 Prozent am neuen Institut halten, Banco-Popolare-Eigentümer 46 Prozent. Bis zum 1. November sollen die Aktionäre das Vorhaben absegnen. Die Transaktion solle bis Dezember unter Dach und Fach gebracht werden. BPM-Chef Giuseppe Castagna werde die neue Bank führen.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat der geplanten Bankenfusion zwar zugestimmt, aber nur mit der Auflage, dass sich die Banco Popolare eine Milliarde Euro frisches Geld über eine Kapitalerhöhung besorgt – was das Unternehmen eigentlich vermeiden wollte. Anleger waren vom Erfolg des Zusammenschlusses nicht überzeugt: Die Aktien beider Institute gaben um rund fünf Prozent nach.

«Exzessive» EZB-Forderung

Banco-Popolare-Chef Pier Francesco Saviotti sagte, die Forderung der EZB nach einer Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro sei «exzessiv». Aber die Notenbank habe klargemacht, dass es dazu keine Alternative gebe. Einige Analysten erklärten, die neue Bank müsse sich eventuell noch von Werten trennen, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken.

Experten erwarten, dass ein erfolgreicher Zusammenschluss der beiden Volksbanken weitere Übernahmen in der nach wie vor zersplitterten Finanzbranche des Landes auslösen wird. Eine Fusion der Institute gilt als wichtiger Lackmustest für eine Reform des Sektors.

Monatelange Fusionsgespräche

Banca Popolare di Milano und Banco Popolare verhandelten seit Monaten über die Fusion. Doch zuletzt türmten sich Hindernisse auf. Vor allem der geplante Umgang mit faulen Krediten entpuppte sich einem Insider zufolge als Stolperstein.

Die EZB-Bankenaufsicht fordere einen raschen Abbau, hiess es in Finanzkreisen. Die damit verbundenen hohen Verluste würden aber die Kapitalbasis der beiden Häuser angreifen. Am Donnerstag nun kündigten die neuen Partner an, ihre faulen Kredite im Volumen von 27 Milliarden Euro bis 2019 um 10 Milliarden Euro zu verringern. Insgesamt schieben die italienischen Banken faule Kredite im Volumen von etwa 360 Milliarden Euro vor sich her.

(sda/ise)