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Luxus
Zweikampf: Dufry fordert Louis Vuitton heraus

Duty-Free-Shop in San Francisco: (Noch) betrieben von der LVMH-Tochter DFS Group. SFO

Der Basler Reisedetailhändler Dufry wetteifert mit dem weltgrössten Luxuskonzern der Welt um den Betrieb von elf Läden am Flughafen San Francisco. Es geht um rund 100 Millionen Franken pro Jahr.

Von Marc Iseli
am 04.10.2017

Als Julián Díaz vor 13 Jahren das Steuer bei Dufry übernahm, war das der «Basler Zeitung» nur eine Randnotiz wert. Die anderen Schweizer Medien ignorierten die Meldung gar, obschon die Wurzeln von Dufry auf das Basler Traditionshaus Weitnauer zurückgehen. Der Reisedetailhändler war seinerzeit eine Firma mit einem Umsatz von weniger als 1 Milliarde Franken, Díaz ein Unbekannter.

Dann forcierte der Spanier den Wachstumskurs, kaufte Firma um Firma. Dufry ist nunmehr ein Koloss mit 8 Milliarden Franken Umsatz. Und Díaz setzt vermehrt auf Wachstum aus eigener Kraft statt auf aggressives Zukaufen. Das derzeit heisseste Eisen im Feuer: Die Konzession für den Betrieb von elf Läden am Flughafen San Francisco. Díaz’ Gegenspieler dabei ist der französische Gigant LVMH, der grösste Luxuskonzern der Welt. 

Lukratives Los

Der Flughafen San Francisco ist nach Los Angeles das zweitgrösste Luftfahrtdrehkreuz in Kalifornien, der siebtgrösste Flughafen der USA und im weltweiten Vergleich auf Platz 21. Über den Zuschlag für den Betrieb der elf Duty-Free- und Luxus-Boutiquen entscheidet eine fünfköpfige Kommission, die der Bürgermeister von San Francisco eingesetzt hat. Die zur Auktion stehende Fläche umfasst mehr als 4000 Quadratmeter. 

Der bisherige Betreiber erwirtschaftete in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz auf dieser Fläche. Das entspricht ungefähr 6 Prozent des Umsatzes, den Dufry 2016 in Nordamerika erzielt hat. Oder rund 1 Prozent des Gruppenumsatzes. 

Hohe Investitionen

Die Konzession sieht vor, dass der Betreiber mindestens 42 Millionen Dollar pro Jahr an den Flug­hafenbetreiber abtritt. Ausserdem muss der Gewinner der internationalen Ausschreibung mindestens 45 Millionen Dollar für die Erneuerung der Infrastruktur entrichten. Im Gegenzug garantiert die Regierung von San Francisco eine Vertragszeit von 14 Jahren. 

Das ist relativ lang – und entsprechend interessant. Der Schnitt im Dufry-Portfolio liegt bei acht Jahren. Die Basler sind daher auch bestrebt, den Zuschlag für San Francisco zu erhalten. Als der Betreiber des Flughafens im April über die Details der Ausschreibung informierte, schickte Dufry sechs Konzernangestellte in die Bay Area, wie die Teilnehmerliste des Events zeigt. Von den gesamthaft 67 Anwesenden stand also jeder zehnte im Sold des Schweizer Reisedetailhändlers. Darunter war auch Antoni «Toni» Felany, der US-Chef von World Duty Free. Díaz kaufte die Firma vor zwei Jahren für fast 4 Milliarden Franken, der grösste Kauf der Dufry-Historie. 

Zweikampf mit Louis Vuitton

Mit einem ähnlich starken Aufgebot wartete der ärgste Mitbewerber auf. Die DFS Group, eine Tochter des französischen Louis-Vuitton-Konzerns, schickte ebenfalls ein halbes Dutzend Personen zur Orientierungsveranstaltung. Wie bei Dufry handelte es sich bei der Delegation der DFS Group um hochrangige Manager. Für sie ging es um das Sichern eines essenziellen Ertragspfeilers. Die Louis-Vuitton-Tochter geschäftet gerade einmal an 13 internationalen Flughäfen. Das Tor zum Silicon Valley ist eines der Zugpferde des Reisedetailhändlers.

Für Díaz, der in Sachen Konzessionen zuletzt oft das Nachsehen hatte, was sich negativ auf das Halbjahresresultat ausgewirkt hat, ist ein weiterer Punkt wichtig: Der Flug­hafen San Francisco ist für die Firma eine Wachstumschance in der Re­gion. Die Passagierzahlen wuchsen zuletzt zweistellig. 

Börsengang des Nordamerika-Business

Dazu kommt: Nordamerika hat jüngst besondere Aufmerksamkeit bekommen, weil die Dufry-Führung mit einem Börsengang des dortigen Geschäftes liebäugelt. Dabei gilt: Je stärker das US-Business ist, desto mehr Geld kann Díaz mit einem IPO lösen. Und Geld hat der Spanier nötig. Die Schulden des Unternehmens türmten sich Ende des letzten Jahres auf 4 Milliarden Franken. Der Grossteil davon in Dollar.

Das IPO soll helfen, diese Last zu reduzieren. Das Ziel: Die Nettoverschuldung soll maximal das Dreifache des Gewinnes vor Steuern und Abschreibungen betragen. Ausserdem soll ein Börsengang Geld freimachen, um den Anlegern nach Jahren des Darbens endlich wieder eine Dividende zu zahlen. Dufry-Sprecher Renzo Radice relativiert. Das Verschuldungsziel werde Dufry auch ohne Börsengang des Nordamerika-Geschäftes im Geschäftsjahr 2018 erreichen. «Das primäre Ziel eines allfälligen IPO ist die strategische Aufstellung des Nordamerika-Geschäfts», heisst es aus Basel. Zum Millionenlos in San Francisco sagt Radice nur, dass Dufry «keine laufenden Ausschreibungen» kommentiere.

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