«Viele Entscheidungsträger, die den Ausbruch dieser Krise mitverantworten müssen, haben vor Jahren auch einen MBA gemacht», erklärt Benno Marbach, President der Swiss Association of MBAs (SAMBA), im Interview mit der «Handelszeitung». Er relativiert: «Doch der MBA ist nur ein Faktor unter vielen in der Entwicklung eines Top-Managers: Fortbildung am Arbeitsplatz, Förderung durch Vorgesetzte, Firmenkultur und andere Faktoren haben ebenfalls einen starken Einfluss.»

Trotzdem haben die drei Buchstaben an Glanz verloren. Der Schweizer SAMBA-Gründer mit amerikanischen MBA-Ehren führt aus: «Weil der Ursprung der Krise den USA angelastet wird, hat das Mutterland der MBA-Ausbildung vielleicht etwas von seinem Vorbildcharakter eingebüsst.» Auf die Frage, ob an den Schulen die aktuelle Managergeneration falsch ausgebildet wurde, antwortet Marbach: «Natürlich müssen sich viele renommierte Institute kritisch hinterfragen.»

Nicht zuletzt deswegen werde die Krise ihre Spuren in deren Lehrplänen hinterlassen (müssen): «Ich denke, dass sie einen Einfluss auf verschiedene Themen ausüben und die MBA-Ausbildung stark verändern wird. Sicher müssen aufgrund der Ereignisse in der Finanzindustrie Fragen des Risikomanagements oder der Gestaltung von Anreizsystemen noch stärker gewichtet werden», sagt Marbach und ergänzt: «Die Ethikdiskussion muss neu geführt werden. Auch die Förderung von Innovation und die Entwicklung neuer Technologien werden sich in den Lehrgängen niederschlagen.»

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Diese Folgen tragen bereits erste Früchte: «Der Markt für MBA-Ausbildungen ist gewissermassen antizyklisch. Darum gehen wir davon aus, dass die Anmeldungen zunehmen werden», meint nicht nur Rob Straw, Associate Director des MBA-Programms der Universität St. Gallen (HSG). Aber er räumt ein, dass die zukünftige Nachfrage nach MBA-Interessenten schwer vorauszusagen ist. «Sie schwankt mit den Ereignissen der Weltwirtschaft.»

Dennoch haben die meisten hiesigen Kaderschmieden noch keinen Rückgang der Nachfrage im grossen Stil zu beklagen. Laut Straw ist derzeit eher das Gegenteil der Fall: «Die weltweit angespannte Arbeitssituation veranlasst viele Bewerber, sich für die Zukunft zu wappnen und in Weiterbildung zu investieren. Sie planen ihren MBA in der Hoffnung, dass sich bei ihrem Abschluss die Weltwirtschaft wieder erholt hat.» Mit einem MBA-Abschluss, basierend auf den neuen Erkenntnissen, könne man nämlich seinen Marktwert steigern.