Die aus Zellweger Uster hervorgegangene Uster Technologies ist ein Nischenplayer. Uster stellt elektronische Test-, Mess- und Qualitätssicherungssysteme für die Textilindustrie her. Eingesetzt werden diese in der ganzen Wertschöpfungskette - von der Baumwollfaser bis zum fertigen Gewebe.

Haben Sie erwartet, dass das 1. Halbjahr so gut ausfällt?

Geoffrey Scott: Bis im Februar war ich mir nicht sicher, wie es aussehen würde. Aber im März und April sahen wir, dass sich die positiven Signale bestätigten. Aber damals haben wir erst gut 20% Wachstum erwartet. Als es dann fast 25% wurden, waren wir wirklich positiv überrascht.

Ist China der Hauptgrund für den rasanten Aufschwung in der Textilindustrie?

Scott: Es ist nicht nur China, auch Indien und andere asiatische Länder sind im 1. Halbjahr stark gewachsen.

Beschleunigt sich diese Verlagerung nach Asien weiter?

Scott: In den letzten vier Jahren hat sich der Markt neu aufgestellt. Heute machen wir 65 bis 70% des Umsatzes in Asien, während sich der Rest auf Europa und Amerika verteilt. Diese Proportionen dürften in etwa konstant bleiben, wobei asiatische Firmen etwas stärker wachsen werden. Aber die Unternehmen im Rest der Welt haben ihre Nischen gefunden und können sich daher auch behaupten.

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Uster hat in der Krise Leute entlassen. Waren Sie auf diesen Aufschwung dennoch vorbereitet?

Scott: Es ist richtig, dass wir restrukturierten, als wir Ende 2008 sahen, wie schwierig es 2009 werden würde. Das Krisenjahr selber haben wir in der Schweiz dann mit Kurzarbeit überstanden - im Durchschnitt haben wir um 40% reduziert. Als die Kurzarbeit am 1. Januar 2010 endete, hatten wir also genügend Kapazität, um auf die positive Entwicklung des Marktes zu reagieren.

Sie haben also nichts verpasst?

Scott: Nein, überhaupt nicht. Wir konnten die steigende Nachfrage jederzeit befriedigen. Und wir haben unsere Aktivitäten im Marketing sowie in der Forschung und Entwicklung verstärkt. Ende dieses Jahres und im nächsten Jahr werden wir zudem neue Produkte auf den Markt bringen.

Fürs ganze Jahr rechnen Sie mit 125 bis 130 Mio Fr. Umsatz, also mit doppelt so viel wie im 1. Halbjahr. Wie sieht es für 2011 aus? Wächst der Textilmarkt?

Scott: Im 2. Halbjahr auf jeden Fall, sogar noch etwas stärker. Was 2011 angeht, sind Voraussagen schwierig. Niemand hat eine Kristallkugel, die es erlaubt, weiter als sechs Monate in die Zukunft zu sehen. Aber die Branche geht nicht von einer weiteren Krise aus, sondern von einer Rückkehr zum üblichen Industriezyklus. Das würde einen leichten Abschwung Ende 2011 und dann wieder einen Aufschwung 2012 bedeuten.

Wann erreichen Sie wieder das Niveau von 2006, also vor der Krise?

Scott: Wir rechnen damit, dass wir mittelfristig wieder die Zahlen von damals erreichen, also einen Umsatz von etwa 165 Mio Fr.

Woran könnte es scheitern? Oder anders gefragt: Was macht Ihnen am meisten Sorgen?

Scott: In der Textilindustrie läuft eigentlich alles gut. Es sind die globalen, makroökonomischen Probleme wie die Euro-Krise oder die Gefahr einer erneuten Rezession in den USA, die mich beunruhigen, weil so etwas praktisch alle Märkte tangiert.

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Und wie steht es mit dem Kopier-talent der Chinesen?

Scott: Wir beugen dieser Gefahr vor. Wir behalten unser Know-how in der Schweiz oder in den USA und exportieren es mit unseren Produkten sehr vorsichtig und in kleinen Dosen. Es ist fast wie mit dem Rezept für Coca-Cola, das irgendwo in einem Gebäude in Atlanta in einem Safe tief unter der Erde eingeschlossen ist. Genau so haben wir unser Kernwissen sicher eingeschlossen.

Dennoch werden Ihre Geräte in China kopiert.

Scott: Ja, bestehende Produkte. Aber es ist sehr schwierig, sie so zum Laufen zu bringen, wie wir es mit unserer ausgeklügelten Software können. Dennoch ist unsere Strategie, immer wieder neue Produkte auf den Markt zu bringen, was uns mittel- und längerfristig vor Kopien schützt.