Während der 70er Jahre gab es in der Schweiz noch knapp 8000 Hotels. Heute stehen in rund 5600 Hotels knapp 270000 Betten zur Verfügung - praktisch gleich viele wie vor 30 Jahren. Das Hoteluniversum Schweiz ist jedoch alles andere als unbeweglich: Aus einer mehr oder weniger einheitlichen und kleinbetrieblich geprägten Hotel-lerie hat sich ein breit gefächertes und gleichzeitig räumlich konzentrierteres Angebot entwickelt. Insbesondere in der Ferienhotellerie ist dieser Prozess aber noch lange nicht abgeschlossen.

Konjunkturelle Bremsspuren

Der Erfolg der Hotellerie hängt massgeblich von der konjunkturellen Lage ab. Eine Untersuchung der Betriebsergebnisse der Schweizer Hotels der letzten zehn Jahre verdeutlicht diese Abhängigkeit. Auf einen Anstieg der Betriebser-gebnisse Ende der 90er Jahre bei sich aufhellender Konjunktur folgten rückläufige Hotelerträge im Gleichschritt mit der konjunkturellen Abkühlung in den Jahren 2002 und 2003. Mit dem darauf- folgenden Wirtschaftsaufschwung haben auch die Auslastungszahlen in der Schweizer Hotellerie wieder aufwärts tendiert. In den vergangenen Jahren dürften zudem die guten Wechselkursverhältnisse einen spürbar positiven Einfluss auf die Nachfrage ausgeübt haben. Heute hingegen dämpft die Stärke des Frankens gegenüber dem Euro die Nachfrage, vor allem aus den Nachbarländern.

Individualisierung der Bedürfnisse

Doch nicht nur die (kurzfristigen) Konjunktur- und Wechsel-kursschwankungen machen den Hoteliers zu schaffen. Die wachsende Zahl an Zweitwohnungen stellt in mehrfacher Hinsicht eine (langfristige) Konkurrenz dar. Einerseits entziehen die Zweit- und Ferienwohnungen der Hotellerie potenzielle Gäste, anderseits konsumieren Zweitwohnungen aufgrund ihres vergleichsweise hohen Flächenbedarfs die wichtigsten Ressourcen der Tourismusdestinationen, das Ortsbild und die Naturlandschaft. Die hohe Nachfrage nach Zweitwohnungen widerspiegelt dabei einen Trend zu einer stärkeren Individualisierung der (Wohn-)Bedürfnisse, und genau damit hat sich die Hotellerie in den letzten Jahrzehnten schwer getan.

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Katalysator für Veränderungen

Zweitwohnungen werden von der Hotellerie aber nicht mehr nur als Konkurrenz wahrgenommen, sondern als Chance für neuartige, zukunftsträchtige Lösungen. Das Bedürfnis nach einer individualisierten Ferienunterkunft hat zu einem Wandel der Beherbergungsformen geführt, der heute eine neue Dimension erhält: Ferienwohnungsartige Infrastruktur wird immer häufiger mit hotelartigen Dienstleistungen verknüpft. So sind Beherbergungsformen entstanden, die sich je nach Art der Kombination von Infrastruktur- und Service-leistungen in unterschiedliche Kategorien einteilen lassen. Dass solche hybriden Beherbergungsformen auch in der Schweiz Zukunft haben, darüber sollten die gegenwärtig schwierigen Zeiten für die Hotellerie - und für hybride Hotelprojekte - nicht hinwegtäuschen.