Mitten in der Finanzmarktkrise lässt sich abschätzen: Der Liquiditätsengpass wird einen langanhaltenden Einfluss im Bereich der festverzinslichen Anleihen haben. Im gleichen Ausmass wie die Kreditausfälle steigen, gehen auch die Spreads bei den Zinsen nach oben. Für Stefan Muheim, Head Fixed Income Strategy bei Clariden Leu, ist klar: «Auch 2009 bleiben die Kreditmärkte im Zentrum.» Die restriktiven Kreditmärkte führen dazu, dass die Prämien auf ein Rekordniveau geklettert sind und die Ausfallrate (Default rate) in einzelnen Segmenten auf 14% geklettert ist.

Höhere Verlustgefahr

In diesem Umfeld sind die Renditen für Unternehmensanleihen explodiert. Tiefer geratete Obligationen weisen Spreads von 800 Basispunkten (Bp.) und mehr auf. Gleichzeitig hat sich die Verlustgefahr erheblich vergrössert. Nicht alle Unternehmen sind aufgrund der weiterhin ungewissen Aussichten attraktiv. Nach den umfangreichen Rettungspaketen zugunsten von Banken, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind, rücken aber gerade diese Finanzinstitue für den Anleger in den Vordergrund. Nach dem Grundsatz «Too-Big-To-Fail» haben viele Staaten ihren Schlüsselbanken mit massiven Stützungsprogrammen unter die Arme gegriffen. Damit verschieben sich die Risiken von den Banken zu den Staaten. Während ein Engagement bei Anleihen von ausgewählten Finanzinstituten durchaus Sinn macht, gilt es im Bereich der Staatsobligationen entsprechend vorsichtig vorzugehen.

Die Hochzinsanleihen und die Obligationen aus Schwellenländern erscheinen auf dem Papier äusserst interessant. Trotzdem ist Analyst Muheim noch zurückhaltend: «Es ist zu früh, um breit zu investieren.» Für ihn müssen einige makroökonomische Faktoren erfüllt sein, damit eine Übergewichtung der risikoreicheren Fixed-Income-Anlageklassen auch wirklich Sinn macht. Dazu gehören konjunkturelle Vorlaufindikatoren, welche die Talsohle erreicht haben. Gleichzeitig müssen sich die Häusermärkte speziell in den USA stabilisieren. Ebenfalls notwendig ist eine Verbesserung der Kreditstandards für Bankausleihungen; und vor allem müssten sich die Kreditrisikoprämien nachhaltig einzuengen beginnen.

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Staatsanleihen bleiben kurzfristig attraktiv. Allerdings sind die Renditen bereits tief, und nach Einschätzung von Mickael Benhaim, Head of Global Bonds bei Pictet, werden diese Renditen noch weiter nach unten streben. Erst in der längeren Sicht drängen sich Staatsanleihen aufgrund der wieder höheren Verzinsung auf. Jetzt schon ist ersichtlich, dass die Zinsniveaus mittelfristig klar aufwärts tendieren. Die Haushaltsdefizite weiten sich in der Rezession aus. Dazu kommt der enorme Kapitalbedarf in Verbindung mit der Rekapitalisierung von Banken. In der Eurozone beläuft sich das Emissionsvolumen auf gegen 800 Mrd Euro.

Beimischung

Derzeit werden die ratingmässig hoch eingestuften Anleihen defensiv ausgerichteter Firmen von den Analysten favorisiert. Stefan Muheim verweist etwa auf eine von General Electric, die den Zugang zu einem breiten Spektrum an Refinanzierungsalternativen hat.

Bei den Obligationenfonds tendiert Pictet-Spezialist Benhaim zu einer starken Diversifikation. Hochzinsanleihen eignen sich als Beimischung. Am kurzen und am langen Ende der Renditekurve drängen sich Investitionen in Staatspapiere und Supranationals auf, um einer risikofreien Anlage möglichst nahe zu kommen.