Ob der China-Hype im Bereich der MBA-Partnerschaften schon seinen Zenith erreicht hat, steht noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass bei europäischen und amerikanischen Partnern eine gewisse Ernüchterung stattgefunden hat, was das Abenteuer China im Hinblick auf China-Module beim MBA-Studium betrifft. Als eine der ersten angelsächsischen Schulen hat sich die Cass Business School in London von ihrem China-Engagement verabschiedet. Optimistisch hatte sie bereits 2004 gemeinsam mit der Shanghai University of Finance and Economics ein MBA angeboten. Die Zusammenarbeit wurde im Februar 2008 beendet.

Einerseits waren die langwierigen Genehmigungsprozesse durch die chinesische Regierung schwierig, so Dean Steve Haberman gegenüber der «Business Week». Die bekannte englische Schule beklagte dazu die Probleme, die erwirtschafteten Einnahmen nach Grossbritannien fliessen zu lassen. In China müssen alle ausländischen Schulen mit einer chinesischen Universität zusammenarbeiten und unterliegen den strikten Kontrollen der lokalen Behörden und des Bildungsministeriums.

Mangelnde Englischkenntnisse

Immer mehr Schulen verkleinern ihre Programme, wenn sie feststellen, dass ihr Angebot einen zu kleinen Zulauf chinesischer Studenten verzeichnet. Die Stunde der Wahrheit hat auch die Robert H. Smith School of Business an der University of Maryland schmerzhaft erfahren. Gemäss «Business Week» hat die Schule ihre seit fünf Jahren bestehenden Aktivitäten in Peking auf Eis gelegt. Auch die State University of New York (Suny) in Buffalo, die mit der Renmin University of China bereits 1998 das erste Executive MBA in China startete, hatte Probleme mit den Bewerberzahlen und beendete das Joint-Venture bereits 2004.

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Doch sind die behördlichen Auflagen und niedrigen Bewerberzahlen seitens der Chinesen nicht das einzige Dilemma. Das noch grössere Problem zeigt sich erst im Laufe der Zeit: Nur wenige Chinesen verfügen über die notwendigen Englischkenntnisse, um dem Studium zu folgen. Dieser Aussage schliesst sich Wolfgang Jenewein, Studiendirektor EMBA und Managing Direktor des Global Executive MBA der Universität St. Gallen, vorbehaltlos an. Die Ostschweizer Kaderschmiede arbeitet in China mit der Fudan University Schanghai und der City University in Hongkong zusammen. «Wir haben aus ähnlichen Erfahrungen unseren Global EMBA jetzt auch auf Indien ausgedehnt», sagt Jenewein.

Die Universität St. Gallen habe sich zwar nicht ganz aus dem chinesischen Markt zurückgezogen, sondern das Modul von drei auf zwei Wochen reduziert und dafür neu ein zweiwöchiges Modul in Indien hinzugenommen. «Damit haben wir den asiatischen Markt breiter abgestützt und vor allem die Zukunftsregion Indien mit ins Curriculum aufgenommen», betont der Studiendirektor. Die ersten Erfahrungen seien durchaus positiv «und besser als in China». Was Inder den Chinesen voraus haben? «Bessere Englischkenntnisse, grösserer Ehrgeiz der Studenten, differenzierteres Wissen der lokalen Dozenten, höhere Allgemeinbildung und ein höheres Servicelevel», so das nüchterne Fazit.

Behutsamer angegangen

Die ETH Zürich ist ebenfalls Partnerschaften mit einigen Universitäten in China eingegangen, bestätigt André Graber, Managing Director vom Forum-SCM. So besteht bei der Durchführung des MBA des ETH-Forum SCM eine Partnerschaft mit der Hong Kong University of Science and Technology.

Dazu Graber: «Wir sind den Aufbau der gemeinsamen Aktivitäten in Kenntnis der Situation behutsamer angegangen und haben auf Langfristigkeit Wert gelegt. Wichtig ist auch, dass die Kooperationen auf Gegenseitigkeit und nicht auf einseitigem kurzem Profit basieren.»

Die Lausanner IMD ist beim MBA keine offizielle Partnerschaft mit chinesischen Business-Schulen eingegangen. Anders sieht die Situation bei der Forschung aus: Zwischen IMD und der Tsing Hua University’s School of Public Policy and Management für das IMD World Competitiveness Yearbook besteht diese Partnerschaft.

Forschung in China ist auch bei der Hochschul-Legende Harvard ein Thema. Erst kürzlich informierte die Schule, dass sie zwei Büros dort eröffnen will. In Schanghai soll ein Wissenschaftler tätig sein, der dem Asia Pacific Research Center der Business School in Hongkong angegliedert wird.