Wie das «Wall Street Journal» und der Wirtschaftssender CNBC übereinstimmend berichten, könnte die  Online-Spiele-Firma Zynga schon heute die Unterlagen für einen IPO einreichen. Demnach könnte Zynga versuchen, in einem ersten Schritt 1,5 bis 2 Milliarden Dollar bei Investoren einzusammeln.

Inklusive der Anteile, die bei den Altbesitzern verbleiben, würde Zynga dann auf einen Gesamtwert von 15 bis 20 Milliarden Dollar kommen. Zum Vergleich: Die beiden etablierten Videospiele-Anbieter Electronic Arts und Activision Blizzard bringen aktuell zusammen knapp 21 Milliarden Dollar auf die Waage.

Bei den Internet-Firmen herrscht derzeit Goldgräberstimmung. Erst jüngst waren das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn und das Internetradio Pandora an die Börse gegangen und hatten ihren Alteigentümern zu Reichtum verholfen. Nach dem Sprung aufs Parkett stiegen die Titel steil an, fielen dann aber wieder deutlich. Einige Beobachter fürchten bereits eine neue Internet-Blase.

Im Gegensatz zu LinkedIn oder Pandora dürfte Zynga in diesem Jahr laut Marktbeobachtern aber Geld verdienen. Den Umsatz schätzte ein Analyst im «Wall Street Journal» auf 1,5 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es 850 Millionen Dollar gewesen sein.

Zynga-Gründer wird durch IPO Milliadär

In nächster Zeit steht noch die Schnäppchen-Website Groupon vor dem Börsengang und im kommenden Jahr voraussichtlich das weltgrösste Online-Netzwerk Facebook. Alleine bei Facebook tummeln sich nach Zahlen des Marktforschers AppData im Monat 271 Millionen Zynga-Spieler. Am beliebtesten ist dabei «City Ville», gefolgt von «Empires & Allies» sowie «Farm Ville» und «Texas Hold Em Poker».

Der Riesen-Börsengang von Zynga wäre der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Erfolgsgeschichte. Gegründet 2007 vom zuvor wenig erfolgreichen Internet-Unternehmer Mark Pincus, wurde Zynga vor allem mit «Farm Ville» bei Facebook gross, wo Nutzer virtuelle Bauerhöfe führen können. Die Spiele an sich sind dabei kostenlos, Geld macht Zynga vor allem, wenn Nutzer Gegenstände wie etwa Landmaschinen für ihre digitalen Acker kaufen. Pincus wird mit dem Börsengang in die Milliardärsliga aufsteigen.

Zusätzlich zu den Börsenplänen verhandele Zynga mit Banken über eine Kreditlinie von mindestens einer Milliarde Dollar zum Ausbau des Geschäfts, schrieb das «Wall Street Journal». Das könnte nötig sein, denn die Konkurrenz bei Online-Spielen wird immer stärker. So kündigte Electronic Arts bereits an, die virtuelle Welt des populären PC-Spiels «Die Sims» ebenfalls zu Facebook zu bringen.

News Corp.will MySpace bis Donnerstag loswerden

Weniger rosig sieht es für MySpace aus. Der Medienriese News Corp. bietet das einst weltgrösste Online-Netzwerk laut einem Medienbericht immer billiger an, um es noch schnell loszuwerden. Aktuell werde in einer Spanne von 20 bis 30 Millionen Dollar verhandelt, hiess es im «Wall Street Journal»-Blog «All Things Digital» unter Berufung aus dem Umfeld der Gespräche. Laut einigen Quellen könne der Preis vielleicht noch bis auf 35 Millionen Dollar hochgehen.

In jedem Fall wäre es eine dramatischer Wertverlust. Medienmogul Rupert Murdoch hatte 2005 damals aufsehenerregende 580 Millionen Dollar für MySpace bezahlt und investierte danach noch stark in die Weiterentwicklung der Website. Unter der Regie von Murdochs News Corp. häufte das Netzwerk aber immer höhere Verluste an. Während die MySpace-Nutzerzahlen nicht mehr wuchsen, zog der jüngere Rivale Facebook vorbei und hat jetzt rund 600 Millionen Mitglieder.

Noch im Frühjahr wollte die News Corp. laut US-Medienberichten mindestens 100 Millionen Dollar für MySpace haben. Allerdings sollen diverse Interessenten abgesprungen sein. Murdochs Medienkonzern wolle MySpace aber am liebsten zum Ende des aktuellen Geschäftsjahres an diesem Donnerstag loswerden, um einen sauberen Schnitt zu machen, schrieb «All Things Digital».

(tno/laf/awp)

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