Der US-Amerikaner Nik Wallenda hat als erster Mensch eine tiefe Seitenschlucht am Grand Canyon auf einem fünf Zentimeter dicken Hochseil überquert, ohne Sicherung. Der 34-jährige Familienvater legte die rund 425 Meter am Sonntagabend in knapp 23 Minuten zurück. Bei einem Sturz hätte er 457 Meter tief in die Schlucht des Little Colorado River fallen können.

Starke Winde hätten ihm zu schaffen gemacht, berichtete der Extrem-Akrobat nach dem spektakulären Lauf. Der tiefgläubige Familienvater sprach bei der Überquerung pausenlos Gebete. Mit seinem Vater war er über ein Mikrofon verbunden.

Am Körper trug Wallenda Kameras, die schwindelerregende Bilder von der tiefen Schlucht zeigten. Der erste Blick in den Abgrund war "atemberaubend", sagte er später auf festem Grund. Zweimal hielt Wallenda auf dem Seil an und kniete kurz nieder, um auf diese Weise stärkere Schwankungen des Seils zu bremsen.

Eigentlich wäre geplant gewesen, dass Wallenda unterwegs live Fragen von Journalisten beantworten sollte. Dies unterblieb jedoch angesichts starker Windböen. Diese waren laut Wallenda bis zu 56 Stundenkilometer stark.

«Flying Wallendas»

Nach einem gleichmässigen, konzentrierten Balanceakt legte er die letzten Meter in schnellen Schritten zurück. Am Ziel angekommen fiel er zu Boden und küsste die Erde. Wallenda wurde von seiner Frau Erendira, eine Artistin wie er, sowie den drei gemeinsamen Kindern im Alter zwischen 9 und 15 Jahren im Empfang genommen.

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Das Spektakel auf dem Gelände eines Navajo-Indianerreservats im US-Staat Arizona wurde vom Discovery Network live in viele Länder übertragen.

Wallenda, der zur siebten Generation der Artistenfamilie «Flying Wallendas» gehört, wollte mit dem riskanten Lauf seinen Urgrossvater Karl Wallenda ehren. Der gebürtige Deutsche war 1978 im Alter von 73 Jahren von einem Hochseil zu Tode gestürzt.

(tno/sda)