Das Turnfest in Biel ist erneut von einem heftigen Unwetter heimgesucht worden. 39 Menschen wurden am Donnerstag zum Teil schwer verletzt, als Sturmböen auf dem Festgelände Zelte und Material durch die Luft wirbelten. Unwetterschäden gab es auch im Raum Genf.

Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde der Wettkampfplatz in Ipsach bei Biel. Dort riss der Sturm kurz nach 18 Uhr dermassen heftig an einem grossen Zelt, dass dieses teilweise zerbarst, wie Fabian Sauvain von der Berner Kantonspolizei am Donnerstagabend an einer kurzfristig organisierten Medienkonferenz in Nidau sagte.

Schwere Verletzungen an Kopf und Rücken

Unter diesem Zelt verletzten sich mehrere Menschen. Der Wind blies laut SRF Meteo in Ipsach mit bis zu 124 Stundenkilometern. Als die Rettungsdienste das Ausmass der Zerstörung erfasst hatten, lösten sie Katastrophenalarm aus.

Sechs Menschen erlitten schwere Verletzungen an Kopf und Rücken. 33 weitere Menschen wurden mittelschwer oder leicht verletzt, unter ihnen ein Kind. Sie wurden in Spitäler nach Biel, Bern, Neuenburg oder Solothurn gebracht.

Im Einsatz standen über 100 Angehörige der Berner Kantonspolizei, der Armee, des Zivilschutzes, des Careteams des Kantons Bern und mehrerer Feuerwehren. Freiwillige Helfer mit medizinischen Kenntnissen unterstützten die Einsatzkräfte.

Fest soll weitergehen

Es war nicht der erste Sturm, der das Turnfest heimsuchte: Schon am vergangenen Donnerstag überraschte der heftige Bergwind Joran, der von den Jurahöhen her blies, die Festgemeinde und das Organisationskomitee (OK). Dieses liess das Gelände evakuieren und sagte die Eröffnungsgala ab. Drei Personen wurden leicht verletzt.

Anzeige

Das Fest abbrechen wollte das OK am gestrigen Donnerstagabend nicht - jedenfalls wenn sich die gesundheitliche Situation der Verletzten nicht verschlechtere, wie Festdirektor Fränk Hofer sagte. «500 Leute haben wir hier im Einsatz», führte er zur Begründung aus.

Schuld an den Verwüstungen in Biel war nach Angaben von SRF Meteo eine sogenannte Superzelle, die mit Orkanböen, starkem Regen und Hagel von Genf über den Jura bis in die Nordwestschweiz gezogen war.

Böen von 124 Stundenkilometern

In Genf fielen in 20 Minuten 20 Millimeter Regen. Auf den Strassen stand das Wasser zum Teil knöcheltief, wie SRF Meteo schrieb. Wegen Überflutungen, heruntergefallener Äste und entwurzelter Bäume musste die Feuerwehr Dutzende Male ausrücken.

Am Genfer Flughafen wurden Böen von 118 Stundenkilometern gemessen - der starke Wind verschob einige kleine, leichte Flugzeuge. Ein Container kollidierte mit einer Linienmaschine. Auf dem Rollfeld sammelte sich laut einem Flughafen-Sprecher Wasser an. Der Flugbetrieb wurde laut Skyguide während rund 20 Minuten eingestellt.

Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume 

Die Züge zwischen Genf Flughafen und Lausanne verkehrten laut einem SBB-Sprecher zeitweise mit rund 30 Minuten Verspätung. Auch zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds fielen die Züge wegen des Unwetters aus. Im Grossraum Neuenburg war der Bahnverkehr zeitweise eingeschränkt.

Schäden hinterliess die Superzelle auch im Kanton Bern: Die Kantonspolizei zählte bis am späten Abend mehr als 150 Meldungen. Die meisten - 125 - kamen aus dem Seeland und dem Berner Jura. Gemeldet wurden Wassereinbrüche in Häuser, abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume und heruntergerissene Äste.

(tno/tke/sda)