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Fussball
Anpfiff zum Panini-Sammelfieber

Maracana in Rio: Hier findet am 13. Juli das WM-Finale statt.   Keystone

Die Panini-Sticker zur Fussball-WM 2014 in Brasilien kommen ab Freitag in den Verkauf. Die Schweizer sind schon heute Weltmeister, wenn es ums Sammeln der Fussballbildli geht – ein Millionengeschäft.

Von Volker Strohm
am 19.03.2014

Offiziell wird die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 erst am 12. Juni mit dem Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien eröffnet. Für viele Schweizer beginnt das eigentliche Ereignis jedoch noch diese Woche: Ab Freitag sind die Panini-Sticker zur WM 2014 erhältlich. Die Schweiz und Panini – das ist eine Liebesgeschichte: Schätzungen gehen davon aus, dass jeder fünfte Schweizer Haushalt dem Sammelfieber erlegen ist.

Der in Modena ansässige Konzern honoriert das Interesse der Schweizer: Hierzulande – einst der erste Auslandsmarkt von Panini – werde eine «Special Platinum Edition» mit 660 Stickern auf den Markt kommen, wie Valora-Sprecher Dominic Stöcklin gegenüber handelszeitung.ch verrät. Das machen die Italiener natürlich nicht uneigennützig: Mit dem Sonderalbum, das nebst grösserem Umfang auch eine verbesserte Druck- und Papierqualität aufweist, soll – wie schon zur EM 2012 – die Sammelwut der vergleichsweise zahlungskräftigen Schweizer anregen.

Im Rahmen der letzten WM 2010 in Südafrika setzte Panini weltweit mehr als eine Milliarde Bilder ab, rund 300 Millionen davon alleine in der Schweiz. Valora ist einer der grossen Nutzniesser: In jenem WM-Jahr erzielten die Baselbieter in der Schweiz und Österreich mit Sammelbildern einen Nettoerlös von 39,5 Millionen Franken sowie einen Betriebsgewinn von 6,3 Millionen Franken.

Euphorie um die Schweizer Nati als Verkaufshilfe

Natürlich sind in diesen Zahlen auch weitere Sammelbild-Verkäufe eingerechnet, doch die Fussball-Grossanlässe sind letztlich matchentscheidend. Um die Zahlen von 2010 wiederholen zu können, muss Valora allerdings auf eine Superjahr hoffen – die Umsatzerlöse im östlichen Nachbarland fallen nach dem Verkauf der Valora Services Austria im Oktober 2012 weg. Trotzdem gibt man sich in Muttenz zuversichtlich: «Für die diesjährige Sammelaktion sind wir positiv gestimmt», sagt Stöcklin – und hofft, dass sich die allgemeine Euphorie rund um die Schweizer Nati auch bei den Panini-Stickern bemerkbar macht.

Valora ist beim Panini-Verkauf Schweizer Platzhirsch – aber keineswegs alleine auf weiter Flur. Bereits seit Tagen bieten etliche Online-Plattformen wie Internet-Store.ch Bilder und Sammelalben zur Vorbestellung an. Dieser Effekt hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu einem regelrechten Preiskampf zwischen Grossverteilern und Discountern geführt. Kommt hinzu, dass all diese Unternehmen von Anschlusskäufen profitieren: Details zu Rentabilität oder Zusatzumsätzen will Stöcklin aber nicht nennen.

Sammelwut seit 1961

Die ersten Panini-Sammelbilder gingen 1961 über den Ladentisch – damals mit Mannschaften aus der italienischen Serie A. 1970 folgten erstmals Aufkleber zu einer Fussball-Weltmeisterschaft. Die Geschichte der Firma geht indes zurück bis ins Jahr 1945: Damals eröffneten die Gebrüder Panini einen Zeitungsstand in Modena, 1954 gründeten sie einen Zeitungsvertrieb. «Obwohl sich die Umsätze damals schon im Grössenbereich von sechzig Millionen Dollar bewegten, blieb die Firma ein Familienbetrieb», heisst es auf der Firmenseite.

2012 erzielte die Unternehmensgruppe, die zwischen 1988 und 1999 mehrfach den Besitzer gewechselt hatte, mit 900 Mitarbeitenden und 110 Ländergesellschaften einen Umsatz von 637 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen sind noch nicht erhältlich.

Während Benito, Giuseppe und Franco Cosimo Panini bereits seit einigen Jahren tot sind, verstarb im November 2013 mit Umberto Panini – 83-jährig und nach langer Krankheit – der letzte «Vater» der Sammelbildli.

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