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Bern wartet auf Gutachten zum Gurlitt-Testament

Namensschild des Kunstsammlers: Um das unglaubliche Erbe wird vor Gericht gestritten. Keystone

War der 2014 verstorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt unzurechnungsfähig? Ein Gutachten soll bis zum Ende des Jahres klären, ob die Sammlung tatsächlich nach Bern kommt.

Veröffentlicht am 17.12.2015

2014 starb der Sammler Cornelius Gurlitt. In seinem Testament hinterliess er seine millionenschwere Bildersammlung dem Kunstmuseum Bern. Doch auch eine Cousine erhebt Ansprüche. Jetzt wird mit einer Entscheidung gerechnet.

Im Rechtsstreit um das Testament von Cornelius Gurlitt (1932-2014) vor dem Oberlandesgericht (OLG) München bahnt sich ein wichtiger Schritt an. Bis Jahresende wird ein Gutachten erwartet, ob der umstrittene Kunsthändler beim Verfassen seines letzten Willens im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war oder nicht. Sobald das Gutachten den Beteiligten zugestellt sei, werde das Gericht dies mitteilen, kündigte ein OLG-Sprecher an.

Wegen Unzurechnungsfähigkeit angefochten

Gurlitts Cousine Uta Werner hat das Testament angefochten, weil sie davon ausgeht, dass der alte Mann unzurechnungsfähig war. Der «Tagesspiegel» hatte zuvor berichtet, Gurlitts Testament, in dem er seine millionenschwere Bildersammlung dem Kunstmuseum Bern hinterliess, sei «anerkannt». Eine Entscheidung im Rechtsstreit sei noch nicht gefallen, betonte allerdings der Gerichtssprecher.

Das Amtsgericht München hatte Werners Forderungen zuvor abgelehnt und das Testament für rechtmässig erklärt, die Gurlitt-Cousine legte Rechtsmittel gegen die Entscheidung ein.

Spektakulärer Bilderfund im Jahr 2013

Der spektakuläre Bilderfund hatte die Kunstwelt 2013 in Atem gehalten. Damals wurde bekannt, dass bereits im Jahr 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden waren. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf. Bei Hunderten davon bestand Verdacht auf Nazi-Raubkunst.

Eine Taskforce um Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel wurde eingesetzt, um die Herkunft der Bilder zu klären. Zum Jahresende stellt die Taskforce ihre Arbeit ein. In fünf Fällen erhärtete sich nach Ansicht der Experten der Raubkunst-Verdacht, Hunderte Fälle sind noch offen. Gurlitt war am 6. Mai 2014 gestorben, ohne seine Bilder noch einmal gesehen zu haben.

(sda/gku/chb)

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