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Bern will Gurlitts Erbe genau prüfen

Kunstsammlungen Bern: Das Museum wurde vom komplizierten Gurlitt-Erbe überrascht.   Keystone

Das Kunstmuseum Bern ist mit dem Gurlitt-Erbe überrascht worden. Jetzt soll eine Gruppe von Experten die Sammlung zunächst einmal prüfen – noch nie hat jemand die Werke alle beisammen betrachtet.

Veröffentlicht am 08.05.2014

Nach dem überraschenden Vermächtnis der Gurlitt-Sammlung an das Kunstmuseum Bern reist bereits in diesen Tagen eine Delegation aus der Schweiz nach München. Museumsdirektor Matthias Frehner holt sich dazu professionelle Verstärkung, vorab von Juristen.

Denn das Erbe, sollte das Berner Kunstmuseum dieses überhaupt antreten, ist ein schweres. Verschiedene Werke der millionenschweren Gurlitt-Sammlung stehen unter Raubkunst-Verdacht. Eine noch von Cornelius Gurlitt selber beauftragte Taskforce hat in Deutschland Abklärungen an die Hand genommen.

Niemand hat die Sammlung als Ganzes gesehen

Als erstes muss sich die Berner Delegation in Deutschland einen Überblick über die Sammlung verschaffen, denn die habe noch niemand als Ganzes gesehen, betonte Frehner. Die Kunstwerke würden derzeit an einem sicheren Ort aufbewahrt und fachmännisch betreut.

Das Berner Kunstmuseum werde allfällige Rückgabeforderungen auf jeden Fall respektieren, betonte Frehner. «Wir wollen nur Sachen, die restlos sicher sind.»

Von den weit über tausend Bildern der Gurlitt-Sammlung werden die meisten von der Taskforce in Deutschland wissenschaftlich untersucht. Dabei wird unterschieden zwischen Raubkunst – also Bildern, die Privatpersonen abgenommen wurden – und entarteter Kunst.

In die letztere Kategorie fallen jene Bilder, die dem NS-Regime nicht genehm waren und aus Museen entfernt wurden. Die Nazis bezeichneten ihnen nicht genehme Kunstformen als entartet.

Anders als bei Raubkunst ist der Besitz von entarteter Kunst rechtlich nicht problematisch. Die Deutschen hätten sich damals quasi selbst beraubt und die Bilder aus ihren Museen entfernt, erklärt Frehner. Zahlreiche Museen in aller Welt besitzen solche Bilder, auch das Berner Kunstmuseum.

Zur Gurlitt-Sammlung gebe es bisher nicht sehr viele Anträge auf Rückerstattung von Raubkunst. Die Zahl liege seines Wissens im knappen zweistelligen Bereich, führte Frehner aus.

Vermächtnis auch finanzielle Bürde

Das Vermächtnis dürfte den Bernern neben der Würde auch viel Bürde bringen – auch finanzieller Natur. Frehner hofft, dass das Museum die mit dem umstrittenen Erbe verbundenen Kosten durch die übrigen Vermögenswerte bestreiten könnte, die es als Alleinerbe von Gurlitt erhalten würde.

Sollten diese übrigen Werte nicht ausreichen, wäre ein Verkauf von Bildern aus der Sammlung wohl kein Tabu, sagte Frehner. Die Erbschaft sei an keine Auflagen geknüpft. Wenn es nicht anders gehe, könnte in einem solchen Fall wohl auch ein Verkauf geprüft werden.

(sda/me)

 

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