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Natur
Biberfrühling erfreut die Schweizer

Biber: Der Baumfäller ist in der Schweiz vermehrt am Werk. Keystone

Der Biber hat viele Freunde - im Bundeshaus und in der Bevölkerung. Der Bund wirft künftig mehr Geld auf für die Schäden, die das Tier hinterlässt. Derweil startet Pro Natura ein spezielles Projekt.

Veröffentlicht am 28.03.2017

Biberfreunde aus der ganzen Schweiz begeben sich zurzeit mit Pro Natura auf die Spuren des Nagers. Der Biber hat viele Freunde - im Bundeshaus und in der Bevölkerung. Der Bund wirft künftig mehr Geld auf für die Schäden, die das Tier hinterlässt.

In der Frühlingssession verständigten sich die eidgenössischen Räte darauf, dass der Bund die Infrastrukturschäden des Bibers übernimmt - beispielsweise, wenn das Tier den Boden unter einem Feldweg untergräbt.

Projekt «Hallo Biber!»

Dabei geht es wohl um deutlich höhere Beträge als den Schadenersatz für Fressschäden und Ernteausfall, in den sich Bund und Kantone schon heute teilen. Dabei fallen schweizweit 10'000 bis 30'000 Franken jährlich an.

Wie und wo der Biber lebt, das will Pro Natura den Menschen näher bringen. Im Rahmen des Projekts «Hallo Biber!» führt die Naturschutzorganisation Exkursionen durch - so auch in Wiler bei Utzenstorf BE, wo sich an einem Freitagabend knapp 30 Personen auf Bibers Spuren begeben.

Der Ausflug lockt neugierige Kinder ebenso an wie interessierte Erwachsene aus der Umgebung. Der Biologe und Georgraf David Gerke führt die Gruppe ins Bibergebiet nahe der Emme.

Jede Familie für sich

Zwischen Utzenstorf und der Solothurner Kantonsgrenze leben gemäss Gerke drei oder vier Biberfamilien. Diese verteilen sich entlang der angrenzenden Gewässer und leben in strikt familiengetrennten Territorien.

Während der zweistündigen Exkursion erklärt Gerke den Teilnehmenden Wissenswertes über den dämmerungs- und nachtaktiven Nager: über dessen Lebensweise und -raum, über seine Bedürfnisse sowie über das nicht immer konfliktfreie Zusammenleben zwischen Mensch und Biber.

Die Teilnehmenden der Exkursion können auch Nagespuren an den Bäumen verfolgen und die Bauten nahe der Ufer beobachten. Mit etwas Glück und Geduld wagt sich vielleicht sogar ein Tier aus der Biberburg. Im Gepäck hat Gerke zudem ein echtes Biberfell, an welchem sich der Körperbau der Tiere veranschaulichen lässt.

Die Tiere lassen sich am besten während der Dämmerungsstunden von April bis zu den Sommermonaten beobachten, berichtet Gerke. Dabei sei es allerdings wichtig, sich ruhig zu verhalten. Der Biber verfüge zwar über einen schlechten Sehsinn, aber über ein umso besseres Gehör.

Intensiv gejagt

Im 19. Jahrhundert wurde der Biber in der Schweiz intensiv gejagt und ausgerottet. Sein Fell war hoch begehrt, und sein Drüsensekret - das Bibergeil oder Castoreum - galt als Wunderheilmittel. In den 1950er-Jahren hat man den Biber wieder angesiedelt, seit 1962 steht er unter Schutz.

Seit etwa zehn Jahren kümmert sich Pro Natura um eine biberfreundliche Lebensraumgestaltung. Die «Hallo Biber!»-Regionalprogramme realisieren einzelne Projekte in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Kantonen.

Die Arbeit trägt Früchte. In der Nordwestschweiz ist das Projekt seit 2010 mit der Rückkehr der Biber erfolgreich abgeschlossen. Im Mittelland ist das Projekt seit 2009 in vollem Gang. Der Bund geht von einem Biberbestand von rund 2800 Tieren aus.

Oberstes Ziel ist es, Massnahmen zum Schutz und zur Förderung von Biberrevieren umzusetzen. Durch Renaturierungsprojekte sollen neue Lebensräume geschaffen und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Konkret geht es beispielsweise um die Errichtung von Biberstegen bei Flusskraftwerken.

Grosses Interesse

Laut Gerke stossen die Exkursionen auf grosses Interesse. Werbung machen müsse man fast keine. Zuweilen seien die Exkursionen so gut besucht, dass die Polizei den Verkehr regeln müsse. So vor einiger Zeit in Kestenholz SO, wo 250 Interessierte aufgrund eines Inserates an einer Exkursion teilnahmen.

http://www.hallobiber.ch/biberfruehling

(sda/chb)

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