Der verurteilte Whistleblower Bradley Manning hat erklärt, sich als Frau zu fühlen und künftig auf den Namen Chelsea hören zu wollen. «Da ich in die nächste Phase meines Lebens übergehe, möchte ich, dass alle mein echtes Ich kennen», liess Bradley Manning am Donnerstag in einer Erklärung wissen. Diese wurde am Donnerstag im Beisein seines Anwalts David Coombs im Fernsehsender NBC verlesen. «Ich bin Chelsea Manning, ich bin eine Frau.»

Manning stellte sich in der Erklärung als Transsexueller vor. Der 25-Jährige gab an, er sei zwar in einem männlichen Körper geboren worden, habe sich seit seiner Kindheit aber als Mädchen gefühlt. So bald wie möglich wolle er eine Hormontherapie für eine Geschlechtsumwandlung beginnen. «Ich bitte auch, mich ab heute mit meinem neuen Namen anzureden und das weibliche Personalpronomen zu verwenden», hiess es in der Erklärung. Nur Post für ihn ans Gefängnis solle wie bisher adressiert werden.

Zweifel an sexueller Orientierung

Schon im Gerichtsverfahren hatten Zweifel an der eigenen sexuellen Orientierung und die Probleme damit im rigiden Militärumfeld eine wichtige Rolle gespielt. In diesem Zuge wurde auch ein Foto veröffentlicht, das Manning mit einer Frauenperücke und rot geschminkten Lippen zeigt.

Anzeige

Verkompliziert wird Mannings Entscheidung, weil seine voraussichtliche Haftanstalt in Fort Leavenworth (US-Staat Kansas) keine Hormontherapie für Gefangene ermöglicht, wie der «Courthouse News Service» kürzlich berichtete. Anders als in Zivil- sei das in Militärgefängnissen nicht vorgesehen.

Mannings Anwalt Coombs sagte, sein Mandant werde nicht beantragen, in ein Frauengefängnis transferiert zu werden. Er mache sich keine Sorgen um die Sicherheit seines Klienten, wenn dieser als weibliche Insassin in der Haftanstalt sei.

«In einem Militärgefängnis ist jeder ein Erststraftäter. Diese Soldaten haben etwas falsch gemacht und sie versuchen wirklich, ihre Zeit abzusitzen und dann rauszukommen.»

Verurteilt, degradiert und entlassen

Ein Militärgericht in Fort Meade hatte am Mittwoch das Strafmass für Manning wegen der Weitergabe hunderttausender Geheimdokumente an die Enthüllungswebsite Wikileaks verkündet. Neben der 35-jährigen Haftstrafe wird der Obergefreite ausserdem degradiert, unehrenhaft aus der Armee entlassen und verliert seine Sold- und Pensionsansprüche.

Allerdings hat Manning die Möglichkeit, bei guter Führung in gut neun Jahren auf Bewährung freizukommen.

(sda/moh/aho)