Auf der brennenden Autofähre vor der Küste Griechenlands hat die Evakuierung aus der Luft begonnen. Rettungshelikopter holten Passagiere paarweise von der «Norman Atlantic», wie die Behörden am Sonntag mitteilten. Die Menschen werden demnach auf ein in der Nähe kreuzendes Schiff geflogen.

Die Teams arbeiteten unter Hochdruck, um noch vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen. Der griechischen Regierung zufolge dauert jeder Helikoptertransfer rund 15 Minuten.

Mindestens ein Mensch ist bisher ums Leben gekommen. Der Mann sei vermutlich beim Sprung von Bord umgekommen, teilte die italienische Küstenwache am Abend mit.

Albtraum für hunderte Passagiere

Mitten in der Nacht auf Sonntag wurden hunderte Passagiere einer Adria-Fähre von Feuer überrascht. Viele sitzen auf dem brennenden Schiff fest. Mindestens acht Schiffe eilen zur Hilfe, doch Wellen und Wind stellen sich den Rettern in den Weg.

Vor der italienischen Adriaküste läuft eine dramatische Rettungsaktion für Passagiere der brennenden Fähre «Norman Atlantic». Medienberichten zufolge sassen etwa 300 Menschen auf dem Schiff fest, das in der Nacht auf dem Weg vom griechischen Hafen Igoumenitsa nach Ancona in Italien war. Hohe Wellen und Wind bis Stärke 8 behinderten die Evakuierung.

Erst etwa 150 Menschen sollen evakuiert sein

An Bord waren hauptsächlich Lastwagenfahrer, aber auch Familien mit Kindern. Offiziell war zunächst nicht von Verletzten oder Vermissten die Rede. Die Rettungsarbeiten unweit der Insel Korfu kommen offenbar nur langsam voran. Die Küstenwache teilte am Nachmittag mit, 150 Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden können. Allerdings blieben die Angaben dazu bis zum Abend widersprüchlich.

Unter den Passagieren der in der Adria brennenden Fähre befinden sich auch zehn Schweizer Staatsangehörige. Dies teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (Eda) am Sonntag auf Anfrage mit.

«Wir wissen nichts Näheres», sagte Eda-Sprecher Stephan von Below zur Nachrichtenagentur sda. «Wir wissen nicht, wie es ihnen geht.» Das Eda bleibe in Kontakt mit den griechischen Behörden.

Retter können nicht an Bord gehen

Am späten Vormittag berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Kapitän, die brennende Adria-Fähre treibe in Richtung Albanien. Das Schiff sei manövrierunfähig. Das Feuer sei noch nicht gelöscht. Am Ort seien mindestens sieben Frachter und ein Boot der italienischen Küstenwache. Wegen des schlechten Wetters könnten die Retter nicht an Bord der «Norman Atlantic».

Auf der Fähre mit fast 500 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord war der Brand am frühen Sonntagmorgen gegen drei Uhr auf einem der Autodecks ausgebrochen. Das Feuer habe sich schnell über das Schiff ausgebreitet. Das Schiff befand sich etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu.

«Leute sind verzweifelt und schreien»

Passagiere meldeten sich am Vormittag via Handy und schilderten im Radio ihre Notlage. «Niemand kann etwas machen», sagte ein Mann an Bord dem griechischen Radiosender Skai. Die zur Rettung herbeigeeilten Schiffe kämen wegen der schweren See nicht heran.

Weitere griechische Medien berichteten, Rettungsboote seien abgetrieben worden, bevor Menschen hätten einsteigen können. «Die Leute sind verzweifelt und schreien» sagte ein weiterer Zeuge im Fernsehen.

Renzi kündigt maximalen Einsatz an

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte maximalen Einsatz bei der Rettung der Passagiere der brennenden Fähre an. Die italienische Marine sei «mit maximaler Beteiligung» bei der Rettung dabei, erklärte er auf Twitter. Er sei mit dem griechischen Premierminister Antonis Samaras in Kontakt.

(sda/reuters/gku)

Anzeige