In Brasilien sind 2012 mehr als 56'300 Morde registriert worden und damit über sieben Prozent mehr als 2011. Das ist nach einer am Dienstag vorgestellten vorläufigen Studie die höchste Zahl seit 1980. Mit 29 Morden auf 100'000 Einwohner weist Brasilien damit auch eine der höchsten Mordraten weltweit aus, wie aus der Erhebung «Mapa da Violencia» hervorgeht, die auf der Auswertung von Daten des Gesundheitsministeriums beruht.

Die Zahlen lägen zwischen 50 und 100 Mal höher als in entwickelten Ländern wie etwa Japan, sagte der Soziologe und Koordinator der Studie, Julio Jacobo Waiselfisz. «Das zeigt den langen Weg, den wir noch gehen müssen, um eine halbwegs zivilisierte Rate zu erreichen.» Der nordöstliche Bundesstaat Alagoas blieb 2012 trotz eines Vorjahresrückgangs von fast 10 Prozent besonders gewalttätig. Dort wurden 2012 auf 100'000 Einwohner statistisch gesehen 64,6 Morde registriert.

Polizei geht mit Tränengas gegen WM-Gegner vor

Zwei Wochen vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft ist die brasilianische Polizei in der Hauptstadt Brasilia am Dienstag mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Mehr als 1000 Menschen beteiligten sich an dem Protest gegen die hohen Kosten des Ereignisses. Die Polizisten wollten einen Protestmarsch zum umstrittenen neuen Stadion im Zaum zu halten. Die öffentliche Ausstellung des WM-Pokals vor der Arena wurde daraufhin abgebrochen.

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An der Kundgebung beteiligten sich neben Ureinwohnern zahlreiche Obdachlose, Ältere und Kinder. Sie marschierten zunächst friedlich in Richtung des WM-Stadions, nach dem Beginn des Polizeieinsatzes warfen einige Steine. Zuvor waren etwa 500 Ureinwohner in traditioneller Kleidung auf das Parlamentsgebäude geklettert und hatten auf dem Dach protestiert.

Kosten des Stadionneubaus dreimal höher als geplant

Die Wut richtete sich unter anderem gegen die immensen Ausgaben für die Fussball-WM, sowie Korruption und Mängel bei Schulen, Spitälern und soziale Einrichtungen. Der Stadionneubau in Brasilia ist besonders in die Kritik geraten. Das gesamte Projekt kostet mit umgerechnet etwa 620 Millionen Euro fast drei Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt.

(sda/moh)