In Deutschland hat einer der letzten grossen Auschwitz-Prozesse begonnen. Ein 93-jährige früherer SS-Mann muss sich vor dem Landgericht Lüneburg (Niedersachsen) wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300'000 Fällen verantworten.

Der Angeklagte erschien mit einem Rollator im Gerichtssaal, gestützt von seinen Anwälten. Unter den mehr als 60 Nebenklägern sind Holocaust-Überlebende und Angehörige. Das Interesse ausländischer Medien am Prozess ist gross.

Wirtschaftliche Vorteile verschafft

Der Angeklagte soll im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geholfen haben, das von Häftlingen zurückgelassene Gepäck wegzuschaffen. Er soll aus dem Gepäck genommenes Geld gezählt und an die SS in Berlin weitergeleitet haben. Er wurde deshalb von Journalisten «Buchhalter von Auschwitz» genannt.

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Er habe so dem NS-Regime wirtschaftliche Vorteile verschafft und das systematische Töten der Nationalsozialisten unterstützt, wirft ihm die Anklage vor.

27 Verhandlungstage geplant

Der Anwalt Hans Holtermann hatte angekündigt, sein Mandant wolle aussagen. Er habe sich aktiv auch öffentlich mit seiner Beteiligung an den NS-Verbrechen beschäftigt und sei Holocaust-Leugnern wiederholt entgegengetreten, hatte Holtermann vor Prozessbeginn gesagt.

Sollte der 93-Jährige verurteilt und für haftfähig erklärt werden, erwartet ihn eine Strafe von mindestens drei Jahren. Für den Prozess sind bis Ende Juli 27 Verhandlungstage angesetzt.

(sda/chb/gku)