In einer unter Wasser stehenden Chemieanlage nahe der von Wirbelsturm Harvey heimgesuchten US-Metropole Houston droht eine Explosion. Die Anwohner wurden evakuiert. Mindestens 33 Menschen sind bei den Überschwemmungen bisher ums Leben gekommen. Zehntausende Menschen haben in Texas und im benachbarten Louisiana ihre Häuser verlassen müssen. Viele mussten von den Dächern ihrer Häuser und aus Autos gerettet werden.

Die Betreiber einer Chemiefabrik im texanischen Crosby bereiten sich auf das Schlimmste vor. Die in der Fabrik gelagerten Chemikalien müssen nach Angaben der Firma dringend gekühlt werden. Das Wasser stehe dort 1,80 Meter hoch. Jegliche Stromversorgung sei ausgefallen. Es gebe nun keine Möglichkeit mehr, eine Explosion zu verhindern, sagte Kenneth Rowe, der Chef der US-Filiale des französischen Konzerns Arkema, der die Anlage gehört. In der Anlage werden organische Peroxide produziert.

«Harvey» sucht nun Louisiana heim 


Nach seinem zerstörerischen Zug durch Texas sucht «Harvey» nun den benachbarten US-Bundesstaat Louisiana heim. Der Wirbelsturm traf am Mittwoch mit «sintflutartigem Regen« westlich der Stadt Cameron in Louisiana erneut auf Land.

Gross war die Sorge in New Orleans, wo vor zwölf Jahren der Hurrikan «Katrina» furchtbare Zerstörungen angerichtet hatte. Damals kamen 1800 Menschen ums Leben. Von den erneuten heftigen Regenfällen durch «Harvey» seien der Südwesten von Louisiana sowie der Südosten von Texas betroffen, erklärte das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC).

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Die US-Marine hat zwei Schiffe vor die Küste von Texas geschickt, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Beide Schiffe sind dafür ausgestattet, medizinische und logistische Unterstützung zu liefern. Sie wurden mit Lebensmitteln beladen.

Schaden in Milliardenhöhe


Der wirtschaftliche Schaden der Naturkatastrophe ist noch nicht zu ermessen. Texas braucht nach Einschätzung von Gouverneur Greg Abbott womöglich mehr als 125 Milliarden Dollar von der US-Regierung für den Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen. Diese Summe war 2005 nach dem Hurrikan «Katrina« zur Verfügung gestellt worden, der damals unter anderem New Orleans zerstörte.

Angesichts der Grösse des von Wirbelsturm «Harvey« betroffenen Gebietes, unter anderem in der Metropole Houston, könnten 125 Milliarden nicht ausreichend sein, sagte Gouverneur Abbott am Mittwoch.

US-Stars starten Spendenmarathon


US-Stars wollen für die Opfer der Flutkatastrophe in Texas und Lousisiana einen Spendenmarathon auf die Beine stellen. Der aus Texas stammende Oscar-Preisträger Jamie Foxx kündigte an, dass am 12. September eine grosse Fernseh-Spendengala geplant sei.
Zahlreiche Künstler haben in den letzten Tagen ihre Hilfsbereitschaft bekundet, darunter die Schauspieler Sandra Bullock, Kevin Hart, Amy Schumer und Sängerin Beyoncé.

Nächtliche Ausgangssperre in Houston


Houstons Bürgermeister Sylvester Turner hat eine Ausgangssperre von Mitternacht bis sieben Uhr morgens verhängt, um Plünderungen in den verlassenen Häusern zu verhindern. Houstons Polizeichef Art Acevedo sagte, es gebe bewaffnete Diebe, die die Katastrophe ausnutzten.

«Harvey» war vor fünf Tagen als Hurrikan in Texas erstmals auf Land getroffen und dann vom Landesinneren aus zurück aufs Meer gezogen. Über dem Golf von Mexiko nahm der Sturm dann erneut Feuchtigkeit auf und drehte danach Richtung Louisiana. Meteorologen zufolge stellte «Harvey» in Texas einen neuen Niederschlagsrekord für die USA auf. Am Salzwasserkanal Cedar Bayou fielen am Dienstag 132 Zentimeter Regen.

Trump, Mexiko und Venezuela wollen helfen


US-Präsident Donald Trump hat für Texas und Louisiana bereits den Katastrophenfall ausgerufen. Am Dienstag besuchte er gemeinsam mit Ehefrau Melania das Überschwemmungsgebiet und lobte die Einsatzkräfte. Das Ausmass der Katastrophe sei «historisch», sagte er in der von «Harvey» verwüsteten Hafenstadt Corpus Christi.

Ungeachtet der Streitigkeiten mit den USA haben Mexiko und Venezuela Hilfe für die Opfer der Überschwemmungen im US-Bundesstaat Texas angeboten. US-Aussenminister Rex Tillerson dankte seinem mexikanischen Kollegen Luis Videgaray am Mittwoch bei einem Treffen in Washington für das «grosszügige» Angebot in diesen «sehr, sehr schwierigen Zeiten».

Videgaray hatte in seinem am Sonntag übermittelten Hilfsangebot an den benachbarten Bundesstaat Texas nicht vergessen, den Streit um die von US-Präsident Donald Trump geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko zu erwähnen. Er erinnerte daran, dass sein Land nicht für die Finanzierung aufkommen werde. Venezuela bot Hilfe für die Flutopfer an, obwohl das Land unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet und die USA unlängst Wirtschaftssanktionen gegen Caracas verhängt haben.

(sda/me/mbü)