Der Schweizer Clown Dimitri ist überraschend am späten Dienstagabend im Alter von 80 Jahren verstorben. Eine Agentin der Künstlerfamilie bestätigte der Nachrichtenagentur SDA eine Meldung des Tessiner Radio und Fernsehens RSI.

Wie das Teatro Dimitri am Mittwochmorgen in einem Communiqué schrieb, sei der Künstler «nach kurzem Unwohlsein» überraschend «mitten aus seinem vielseitigen Schaffen» gerissen worden. Noch am Sonntagabend hatte der Clown im Freilichtstück «Sogni di un'altra vita» auf dem Monte Verità auf der Bühne gestanden.

Kunterbuntes Imperium

Im Dorf Verscio bei Locarno ist durch den Einsatz Dimitris ein kunterbuntes Imperium entstanden: Neben dem 1970 gegründeten Theater entstand in der Folgezeit eine Theaterschule, die sich seit 2015 «Accademia» nennt. In der jüngeren Zeit kamen noch ein Komik-Museum und der «Parco del Clown» hinzu.

Dimitri, Jakob Dimitri mit bürgerlichem Namen, wuchs in Ascona auf und liess sich nach einer Töpferlehre in Akrobatik, Ballett, Musik und Schauspiel unterrichten. Nach einer pantomimischen Ausbildung absolvierte er erste Auftritte in Paris.

Anlässlich seines 80. Geburtstags im vergangenen September sprach über seine Zukunftspläne. Zusammen mit dem schweizerisch-algerischen Regisseur Mohammed Soudani wollte er einen Film realisieren.

«Poet, der die Menschen liebte»

Dimitri sei «ein Poet gewesen, der die Menschen liebte, und geliebt werden wollte», sagte Marco Solari, Präsident des Festival del film Locarno, über den verstorbenen Clown Dimitri. «Er war ein herzensguter und reiner Mensch.»

Wenn Dimitri Ablehnung erfahren habe - etwa nach einer politischen Äusserung - sei er traurig geworden. «Und er war erstaunt, dass nicht alle Menschen so dachten wie er.»

Besonders für das Tessin habe Dimitri grosse Bedeutung gehabt. Zeitgleich mit Dimitris ersten grossen Erfolgen als Clown anfangs der 1970er Jahre wurde Solari Tourismus-Chef des Kantons Tessins. Damals habe der Slogan des Kantons «Tessin, Wiege der Kunst» gelautet. Dimitri habe das wie kein anderer repräsentiert.

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Alain Berset: «Dimitri hat uns alle beglückt»

Auch der Bundesrat äussert sich zum Tod des Ausnahmekünstlers. Kulturminister Alain Berset hat Dimitri mehrmals im Tessin getroffen und hat diese Treffen «in bester Erinnerung». Dimitri sei ein «warmherziger, inspirierender Mensch und einer der bedeutendsten Bühnenkünstler der Schweiz», heisst es in einem Statement des Kulturministers.

Dimitri habe das kulturelle Leben des Tessins und der Schweiz seit über einem halben Jahrhundert geprägt, nicht zuletzt durch das Teatro Dimitri und die von ihm gegründete Scuola Dimitri, aber auch durch seine Arbeit als Regisseur, Autor und Maler. Mit dem Hans-Reinhart-Ring habe Dimitri bereits vor 40 Jahren die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz erhalten.

«Dimitri hat uns eindrücklich gezeigt, was Kleinkunst ist: nämlich grosse Kunst mit bescheidenem Gestus. Die Schweiz wird seine Poesie und seine Kunst, die Menschen zum Lachen zu bringen, vermissen. Er hat uns alle beglückt.»

Film war geplant

Ein Film hätte das langjährige Schaffen von Clown Dimitri honorieren sollen. Doch soweit sollte es nicht mehr kommen. Die Crew um den schweizerisch-algerischen Regisseur Mohammed Soudani zeigte sich erschüttert.

Tiziana Soudani, Filmproduzentin und Ehefrau von Mohammed Soudani, sagte am Mittwoch der SDA, das Drehbuch zum Dokumentarfilm sei fertig gewesen, gerade am vergangenen Wochenende habe sie mit Dimitri gesprochen, um das weitere Vorgehen zu planen. Aktuell sei man mit der Finanzierung des Films beschäftigt gewesen. Die Nachricht vom Todes des Künstlers treffe sie und ihren Mann, der für Dreharbeiten unterwegs war, völlig unvorbereitet.

Dimitri haben diesen Film unbedingt machen wollen, er habe ihren Mann kontaktiert und ihn gebeten den Film zu drehen. «Dimitri war enthusiastisch wie immer, ein Gewitter», sagte Tiziana Soudani über die Zusammenarbeit. Die Idee zum Film hatte Dimitri laut der Produzentin «seit 20 Jahren im Herzen». Die Dreharbeiten hätten im kommenden Frühling starten sollen.

(sda/chb/ama)