Offenbar aus Wut gegen Weisse hat ein Afro-Amerikaner in der US-Metropole Dallas das Feuer gezielt auf Polizisten eröffnet. Die Schüsse fielen in der Nacht zum Freitag nach einer Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze. Insgesamt wurden fünf Beamte getötet und sieben weitere sowie zwei Zivilisten verletzt.

Der Schütze wurde nach einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet. Unklarheit herrschte über Mittäter. Die Polizei verhörte aber mindestens drei Verdächtige. Die Tat weckte die Sorge vor Nachahmern. Justizministerin Loretta Lynch rief zur Ruhe auf. In dieser Woche sind in den USA zwei Schwarze von Polizisten erschossen wurden, was landesweit für Entsetzen sorgte.

Afghanistan-Kämpfer

Bei dem getöteten Attentäter handelte es sich Armeeangaben zufolge um einen Reservisten, der in Afghanistan gedient hat. «Er war wütend über die jüngsten Schiessvorfälle», sagte der Polizei-Chef von Dallas, David Brown. Er habe gesagt, dass er Weisse töten wollte, insbesondere weisse Polizisten.

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Der Schütze hatte sich nach den tödlichen Schüssen in Dallas in einem Parkhaus in der Innenstadt verschanzt. Da er nicht eingelenkt habe, hätten die Sicherheitskräfte keine andere Möglichkeit gehabt, als den Mann mit einer auf einem Roboter befestigten Bombe zu töten. In den Verhandlungen mit der Polizei habe er angegeben, allein gehandelt zu haben. Es gebe auch keine Hinweise auf Verbindungen zu ausländischen Organisationen, erklärte Brown.

Zwei weitere Personen im Verhör

Brown wollte nicht sagen, wie viele Schützen an der Tat beteiligt waren. Die Polizei bestätigte aber, es würden zwei Insassen eines Mercedes verhört. Es sei beobachtet worden, dass ein Mann eine Tasche in Tarnfarben in das Auto geworfen habe, das dann in hohem Tempo weggefahren sei. Auch eine Frau sei in der Nähe des Parkhauses in Gewahrsam genommen worden, in dem sich der Schütze verschanzt hielt.

Ein von einem Zeugen aufgenommenes Video zeigte einen Mann mit einem Sturmgewehr und viel Munition. Es war zu sehen, wie er auf eine Person schoss, die offenbar eine Uniform trug. Diese brach danach zusammen. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht geprüft werden.

Justizministerin Lynch rief eindringlich dazu auf, dass Vorfälle wie in dieser Woche nicht zur Normalität werden dürften. Es werde alles getan, die Hintergründe der Tat in Dallas aufzuklären.

Präsident entsetzt

Am Donnerstagabend hatten sich in mehreren US-Grossstädten zahlreiche Demonstranten weitgehend friedlich versammelt, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Auslöser waren zwei Vorfälle in Minnesota und Louisiana, wo in dieser Woche zwei Schwarze von Polizisten erschossen worden waren. Auch Präsident Barack Obama äusserte sich entsetzt. «Es handelt sich nicht um Einzelfälle», sagte er in Warschau, wo er am Nato-Gipfel teilnimmt. Er verurteilte auch die Angriffe von Dallas als abscheulich.

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In mehreren US-Metropolen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. In New York und Bosten etwa beorderte die Polizei zusätzliche Streifen auf die Strassen. In Washington wurde das Kapitol kurzzeitig von der Polizei gesperrt, weil angeblich eine verdächtige Person mit einer Schusswaffe in dem Parlamentsgebäude gesehen wurde.

«Wir leben in einer rassistischen Gesellschaft»

Wegen Polizeigewalt gegen Schwarze in Städten wie Ferguson, Baltimore oder New York kommt es in den USA seit zwei Jahren immer wieder zu Protesten. Besonders gross ist die Empörung, wenn beteiligte Beamte in Prozessen freigesprochen werden oder niemand angeklagt wird. «Wir leben in einer rassistischen Gesellschaft, in der die Menschenleben von Schwarzen keine Rolle spielen», sagte der Demonstrant Thomas Michaels in der Stadt St. Paul in Minnesota.

Das Thema dürfte auch im Wahlkampf eine Rolle spielen. So erklärte die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bereits am Mittwoch, Vorfälle wie in Louisiana beschädigten das Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und der Polizei. Viele Amerikaner hätten den Eindruck, sie würden wegen ihrer Hautfarbe weniger wertgeschätzt als andere. Nach einer Zählung der «Washington Post» sind in diesem Jahr mindestens 509 Menschen von der Polizei erschossen worden, unter ihnen 123 Schwarze und 238 Weisse. Nach Angaben einer Stiftung für Hinterbliebene der Sicherheitskräfte wurden in diesem Jahr bereits 26 Polizisten durch Schüsse getötet - eine Steigerung um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

(reuters/chb)