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Das Wunder von Katar

Dieses Bild veröffentlichte auch die «Times». (Bild: «Les cahiers du football»)

Katar plant eine Konkurrenz-Veranstaltung zur Fussball-Champions-League - das berichtet die britische «Times». Eine französische Website behauptet jedoch, die Story frei erfunden zu haben. Die mysteri

Von Timo Nowack
am 14.03.2013

Katar plant, ab 2015 alle zwei Jahre in mehreren Golfstaaten ein Fussballturnier der Superlative auszutragen - mit den 24 besten Teams der Welt und Milliarden-Preisgeld. Glauben Sie das?

Die renommierte «Times» in England ja. Sie berichtete über die Pläne für die angebliche «Dream Football League» am 13. März auf drei Seiten. Viele anderen Medien nahmen die Meldung auf, in der Schweiz etwa der «Blick».

Dann meldete sich die französische Seite «Les cahiers du football»: Sie hatte darüber schon am 10. März geschrieben – und die ganze Geschichte frei erfunden, wie die Autoren zugaben. Der Text ist sogar mit einem ausgedachten Quellenkürzel versehen: «Agence Transe Presse», der Satire-Rubrik der französischen Webseite -  eine Abwandlung der real existierenden «Agence France Presse».

Hat «Times»-Redaktor Oliver Kay bei den Franzosen leichtgläubig abgeschrieben? So wirkt es auf den ersten Blick. Die Zeitung verwendete sogar das Bild mit dem «Dream Football League»-Schriftzug, das «Les cahiers du football» veröffentlicht hatte – das Foto selbst stammt aus dem Bewerbungsdossier Katars für die Fussball-WM 2022.

Ein angeblicher Informant meldet sich

Doch Kay dementierte via Twitter und in einem «Times»-Chat: «100 Prozent, 1000 Prozent, 175 Million Prozent» sei «Les cahiers du football» nicht seine Quelle. Die Zeitung legte heute sogar mit einem Artikel über englischen Widerstand gegen die Pläne aus Katar nach.

Auf Twitter hatte sich derweil ein Mann namens Bob Beal gemeldet, der sich als einer der Informanten der «Times» ausgibt. Die Sportwebseite «The Score» griff dies auf und schreibt über eine zweifelhafte Vergangenheit von Beal - und fand heraus, das unter anderem «Times»-Mann Oliver Kay ihm bei Twitter folgt.

Hat der «Times»-Autor also gar nicht bei den Franzosen abgeschrieben, sondern ist auf jemanden hereingefallen, der die Informationen aus dem Artikel von «Les cahiers du football» weiterverbreitet hat?

«Handelszeitung»-Fussball und -Fifa-Spezialist Jean François Tanda hält das für möglich, sagt: «In der Szene sind Leute unterwegs, die Informationen anbieten, die sie selber nur irgendwo gelesen haben – besonders in England.»

Schweigen bei Twitter und viele Fragezeichen

Die «Qatar Football Association» bestreitet mittlerweile unter Bezug auf den «Times»-Artikel in einer Mitteilung, irgendetwas von einer «Dream Football League» zu wissen oder damit zu tun zu haben. Oliver Kay hat heute nicht mehr getwittert.

Vieles deutet darauf hin, dass die «Times» einer Falschmeldung aufgesessen ist.

Doch sollte etwa Bob Beal eine falsche Information vermittelt haben, warum tritt er dann nun ins Rampenlicht? Und: Warum ist die «Times» sich ihrer Sache so sicher, dass sie einen weiteren Artikel veröffentlicht, während ein anderes Medium behauptet, die Geschichte erfunden zu haben?

Das sind nur zwei Fragezeichen, die die Geschehnisse rund um die angebliche «Dream Football League» hinterlässt - und es gibt noch viele mehr.

 


Wichtigste Quelle diese Textes ist die ausführliche Chronologie zum Fall, aufgeschrieben und zusammengetragen vom Journalisten Jens Weinreich - lesen Sie sie hier.

 

 

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