Der Zwergplanet Pluto hat erstmals Besuch von der Erde bekommen. Die Sonde New Horizons sei, wenn alles nach Plan verlief, am Dienstag um 13.49 Uhr mitteleuropäischer Zeit an dem Zwergplaneten vorbeigeflogen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

Das erlösende Signal, das den erfolgreichen Vorbeiflug offiziell bestätigen soll, erwartet die Nasa allerdings erst für die Nacht zum Mittwoch. «Die Sonde kommuniziert noch nicht mit der Erde, weil wir sie so programmiert haben, dass sie erst mal wichtige Daten sammelt, die sie nur heute sammeln kann», sagte Nasa-Manager Allen Stern.

Die 700 Millionen Dollar teure Mission gilt als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. New Horizons (Neue Horizonte) ist seit mehr als neun Jahren unterwegs, hat rund fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt. Die etwa Konzertflügel-grosse und rund 500 Kilogramm schwere Sonde näherte sich Pluto nun auf rund 12'000 Kilometer und untersuchte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten.

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Schweizer gespannt auf Daten

Die Daten zur Erde zu schicken dauert allerdings sehr lange, weswegen es nach und nach geschehen werde, sagte Nasa-Manager Stern. «Wir können jetzt einen 16-Monate-langen Daten-Wasserfall erwarten.» Auf diesen Wasserfall hofft auch der Astrophysiker Martin Jutzi von der Universität Bern, der vergangenen Kollisionen im All nachspürt.

Messungen, die New Horizons bereits am Montag gesendet hat, haben gezeigt, dass Pluto etwas grösser - nämlich 2370 Kilometer im Durchmesser - und weniger dicht ist als angenommen. «Er besteht aus etwas mehr Eis und etwas weniger Stein als gedacht», erklärte Jutzi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dies sei interessant im Hinblick auf seine eigenen Forschungsfragen.

«Man nimmt an, dass Pluto und sein Mond Charon durch eine Kollision entstanden», sagte er. Ganz ähnlich entstand auch der Erdenmond. Dies will Jutzi anhand der Messungen der Plutosonde überprüfen. Aus der genauen Grösse von Pluto und seinen fünf Monden kann man auf ihre Dichte und daraus auf ihre Entstehungsgeschichte schliessen - und auch auf die der übrigen Objekte im sogenannten Kuipergürtel.

Entstehung unserer Galaxis

Für diese ringförmige, relativ flache Region ausserhalb der Neptunbahn, deren grösstes Objekt der etwa minus 230 Grad kalte Eiszwerg Pluto ist, interessieren sich die Astrophysiker sehr. Dieser Gürtel birgt Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor viereinhalb Milliarden Jahren. Auch Kometen wie «Tschuri» haben hier ihren Ursprung.

Dank der Messungen zur Grösse, Dichte und Beschaffenheit von Pluto und seinen fünf Monden wollen die Astrophysiker die Entstehungsgeschichte unserer Galaxis besser verstehen. Die Erforschung des 1930 entdeckten Zwergplaneten sei «wie ein archäologischer Spatenstich in die Geschichte des äusseren Sonnensystems», hatte Nasa-Manager Stern schon beim Start der Sonde gesagt.

Bislang haben Forscher nur fragmentarisches Wissen über Pluto, das vor allem von Bildern des Hubble-Weltraumteleskops stammt. Nun soll der eisige Winzling erstmals kartographiert werden. Nach dem Pluto-Besuch soll New Horizons nun noch tiefer in den Kuipergürtel hineinfliegen. Wie und wohin die Sonde genau gelangen soll, beraten die Nasa-Wissenschafter noch.

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(sda/chb)