Er mache weiter bis zum Umfallen, sagte der Erfinder des «Happy Party Sound» vor seiner letzten Tournee, die erst am 26. April in Köln zu Ende ging. Nun ist James Last im Alter von 86 Jahren gestorben.

Dass Hans Last, ein Beamtenkind aus Bremen, zum Musikstar aufstieg, klingt bei James Last wie die normalste Sache der Welt. Irgendwann habe es bei ihm gefunkt und sein Sound war geboren: Pop im Bigband-Format wie ein Film in Cinemascope, Stimmungsmusik, «Easy Listening» nennt sich der Stil. Für manche Kritiker klangen die Bearbeitungen wie bis zur Unkenntlichkeit weichgespülte Musik.

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Dabei hat der am 17. April 1929 geborene Last das Musikgeschäft von der Pike auf gelernt. Sehr früh sass er am Klavier, seine älteren Brüder Werner und Robert musizierten ebenfalls. In den ersten Friedensjahren spielten die Brüder im Tanzorchester von Radio Bremen. Dann gründete James eine eigene Band, Anfang der 50er Jahre wurde er dreimal in Folge zum besten Jazzbassisten in Deutschland gewählt.

Erfinder der Partymusik mit akkustischem Zusatz

Last tourte damals mit Unterhaltungsmusikern wie Helmut Zacharias und Michael Jary, für die er auch Arrangements schrieb. «Ich wollte einfach Partymusik machen», sagte er einmal im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Vom Programm von Radio Kopenhagen, das sein Vater hörte, liess sich Last inspirieren: Zur Musik mischte er Geräusche, ausgelassene Lacher oder Gläserklirren.

Die Hörer sollten das Gefühl bekommen, dass die Feier längst im Gange ist, wenn sie und er an der Haustür läuten. Seitdem verarbeitete der Arrangeur Titel von Popgrössen – von Christina Aguilera bis zu den Beatles. Die Songs gehen ineinander über im Wohlfühlklang. Die Platten tragen Namen wie «Trumpet a gogo», «Beachparty» oder «Seduction». Last traf damit einen Nerv.

Soundtrakc der jungen Bundesrepublik

Ausgelassene Partystimmung soll ein sorgenfreies Leben suggerieren. Er komponierte damit den Soundtrack der jungen Bundesrepublik. Die lässige Haltung, mit der er sich vor das Orchester stellte, wurde sein Markenzeichen. An einem Vorbild hat er sich immer wieder orientiert: Herbert von Karajan. «Ich war unglaublich beeindruckt von seiner Aura und wie er dann mit geschlossenen Augen dirigierte», so Last.

Bei all der zur Schau getragenen Lässigkeit – hinter dem Erfolg stand auch Knochenarbeit. Last schrieb die Noten für jedes Instrument vor und verschickte sie vor der Tour. «Jeder Musiker weiss genau, was er zu spielen hat. Da kann nichts schieflaufen.»

Trotz Schicksalsschlägen «jeden Tag Geburtstag»

Seit seiner Platte «Non Stop Dancing» hat er mehr als 80 Millionen Scheiben verkauft. Er hat es geschafft, immer wieder neues Publikum zu gewinnen. «Ich erreiche Leute aus allen Generationen», freute er sich einst. Tatsächlich passt der weiche Last-Klang in den Lounge-Sound, zu dem in den Clubs gechillt wird.

Doch auch Schicksalsschläge sind ihm nicht erspart worden. Lasts erste Frau Waltraud wurde bei einem Autounfall schwer verletzt, 1997 starb sie an Krebs. Danach heiratete er die 30 Jahre jüngere Vermögensberaterin Christine Grundner.

Trotz allem blickte er auch mit 85 noch nach vorne. Schönes Wetter, eine wunderbare Frau, ein erfülltes Leben – was wolle er mehr. Das Leben sei, als habe er «jeden Tag Geburtstag». Nun ist es kurz nach seiner Tournee zu Ende gegangen.

(sda/ise/ama)