Autokorsos, Feuerwerke, Jubelschreie: Die Schweizer Fussballfans haben in der Nacht auf Donnerstag den Achtelfinal-Einzug «ihrer Nati» ausgiebig gefeiert. Kurz vor Mitternacht war der 3:0-Sieg der Schweiz über Honduras besiegelt, eine lange Partynacht folgte.

Die nicht gerade erfolgsverwöhnten Berner Fussballfans feierten das Weiterkommen der Nationalmannschaft in Brasilien ausgelassen. Noch um 1 Uhr morgens fuhren hupende Autos mit Schweizer Flaggen durch die Bundesstadt. «Die Stimmung war aufgedreht, aber friedlich», sagte Andreas Hofmann, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Besondere Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Die Polizei markierte Präsenz, liess die Fans aber gewähren – so wie sie es im Vorfeld angekündigt hatte. Auch in Thun konstatierte die Polizei «korrektes Verhalten» der Fans.

Sambatänze in der Langstrasse

In Zürich feierten viele Menschen im Freien, auf der Langstrasse gab es zeitweise kein Durchkommen. Unmittelbar nach dem dritten Tor zündeten Fans in Altstetten ein kleines Feuerwerk. Abend und Nacht verliefen danach relativ friedlich, wie eine Sprecherin der Stadtpolizei Zürich sagte. Es habe einige Lärmklagen gegeben, und vereinzelt seien Fackeln abgebrannt worden.

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Ruhiger zu und her ging es in Schaffhausen. Auch dort gab es spontane Feiern von Fussballfans, die Leute hätten sich aber relativ ruhig verhalten. Die Polizei musste nicht einschreiten, wie ein Sprecher der Schaffhauser Polizei sagte.

In der Stadt Luzern strömten wenige Minuten nach Spielschluss Hunderte in Rot und Weiss gekleidet auf die Strasse am Seebecken. Diese wurde aus Sicherheitsgründen während eineinhalb Stunden gesperrt. Busse der Verkehrsbetriebe blieben zunächst beim Schwanenplatz in den Menschenmassen stecken. Mehrere Autos fuhren hupend und mit Fahnen im Fahrtwind durch die Strassen.Zu Zwischenfällen kam es gemäss Angaben eines Sprechers der Luzerner Polizei nicht. «Es wurde ausgelassen und gesittet gefeiert», sagte er. Der Polizei wurden weder Tätlichkeiten noch Sachbeschädigungen gemeldet.

In der übrigen Zentralschweiz verliefen die Fussballfeiern ebenfalls friedlich. In Zug, Schwyz, Ob- und Nidwalden kam es zu keinen Polizeieinsätzen aufgrund der Fussballfeiern. In Uri gingen wegen hupender Fans bei der Polizei zwei Meldungen wegen Nachtruhestörung ein.

Friedliche Feste

Keinerlei spezielle Vorkommnisse wurden in der Schweizer Fussball-Hochburg Basel verzeichnet. Auch in St. Gallen, Aarau, Baden und Wettingen feierten die Fans den Sieg der Schweizer Fussballer ausgiebig, aber ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Die Autokorsos mussten jedoch nach Angaben der Aargauer Kantonspolizei gebändigt werden. Mehrere Anrufer hätten sich zudem bei der Polizei über Lärmbelästigungen beschwert. Eingreifen musste die Polizei nicht. Auch im Kanton Solothurn blieben Situationen aus, die das Eingreifen der Polizei bedingt hätten.

In Chur feierten ebenfalls viele Menschen auf der Strasse, wie Polizeichef Ueli Caluori auf Anfrage sagte. Zudem seien rund zwei bis drei Dutzend Autos in einem Autokorso unterwegs gewesen. Zwei, drei Lenker habe die Polizei wegen «Sicherheitsdefiziten« verwarnt.

Tolerante Churer

Der Abend sei sehr gut gelaufen. Die vielen Feiernden hätten sich weitgehend an die Spielregeln gehalten. Bei der Stadtpolizei sei am Mittwochabend wegen dem WM-Spiel nicht eine Reklamation eingegangen. Es sei erstaunlich, wie tolerant die Churer gegenüber WM-Feiern auf der Strasse seien.Etwas zu euphorisch feierten einige Fans im st. gallischen Wil. Sie zündeten Feuerwerk und Handfackeln und zielten damit auf Menschen. «Es kam zu Anzeigen», sagte Hanspeter Krüsi, Pressesprecher der St. Galler Kantonspolizei, auf Anfrage.

Weil Autofahrer in einem Korso mit ihren Wagen Kavallierstarts hinlegten und hupten, kam es auch zu Lärmklagen. Ein Motorradfahrer gab seiner Freude über das Weiterkommen der Schweizer in den Achtelfinal Ausdruck, indem er bei seiner Maschine den Auspuff wegschraubte und Kurven drehte. Er wurde angezeigt.

Auch im Rheintal wurde ausgelassen gefeiert. Ein Autofahrer, der innerorts mit Tempo 87 unterwegs war und einen Kollegen dabei hatte, der auf der Türe im offenen Fenster sass, musste den Führerausweis auf der Stelle abgeben.

(sda/me)