Der Alternative Nobelpreis 2015 geht an drei Personen auf drei verschiedenen Kontinenten für deren Einsatz für Kriegsopfer, Rechte von Homosexuellen und im Kampf gegen den Klimawandel. Die Marshallinseln im Pazifik erhalten den Ehrenpreis für ihr Beharren auf der Atom-Abrüstung.

Mit dem Alternativen Nobelpreis – offiziell Right Livelihood Award (Preis für richtige Lebensführung) - werden jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden geehrt. Zum ersten Mal überhaupt geht nun die Auszeichnung nach Italien und Uganda.

Italienischer Arzt setzt sich für Kriegsopfer ein

Der italienische Arzt Gino Strada bekommt den Preis, weil er seit zwei Jahrzehnten an den Krisenherden der Welt Opfer von Krieg und Verfolgung medizinisch versorgt. In der Flüchtlingskrise hilft seine Organisation Emergency sowohl in Italien als auch im Irak.

Sie schlage die «Brücke von Europa zu den Konfliktregionen», sagte der Direktor der Right Livelihood Award Stiftung, Ole von Uexküll, am Donnerstag in Stockholm. Ausserdem arbeite Strada gegen die Ursachen von Krieg an. So habe sich Strada vehement gegen die italienische Beteiligung am Irak-Krieg ausgesprochen und in Italien ein Verbot der Landminenproduktion durchgesetzt.

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Die mit je einer Million Schwedische Kronen (116'000 Franken) dotierte Auszeichnung ging zudem an die Menschenrechtsaktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera. Sie kämpfe «trotz unerträglicher Einschüchterung und Gewalt» in ihrer Heimat Uganda für die Rechte von Homo-, Inter- und Transsexuellen.

Lebenslange Haft für Schwule verhindert

«Mit einem wahnsinnigen Mut und Stolz schafft sie es, einen politischen Raum zu schaffen, den viele im Land am liebsten komplett abschaffen würden», sagte von Uexküll. Diese Arbeit zu machen sei vielleicht nirgendwo so gefährlich wie in Uganda. «Sie bleibt da, obwohl andere ermordet wurden», sagte von Uexküll.

Gemeinsam mit anderen schaffte Nabagesera es 2014 etwa, ein Gesetz zu verhindern, das lebenslange Haftstrafen für Schwule vorsah. Im selben Jahr gründete sie das Hochglanzmagazin «Bombastic» mit, das über das Leben von sexuellen Minderheiten in Uganda aufklärt.

Als dritte Preisträgerin kommt die Kanadierin Sheila Watt-Cloutier zu Ehren. Der Preis gehe an sie für ihren lebenslangen Einsatz für die Rechte der Inuit und für den Erhalt ihrer Lebensgrundlage und Kultur, die vom Klimawandel akut bedroht seien, ehrte die Stiftung Watt-Cloutier.

Anti-Atom-Engagement

Das Volk der Marshallinseln und ihr Aussenminister Tony de Brum bekamen am Donnerstag den nicht dotierten Ehrenpreis für ihr Beharren auf der Atom-Abrüstung. De Brum reichte 2014 vor dem Internationalen Gerichtshof Klagen gegen alle neun Atomstaaten ein, weil sie sich nicht an die Abmachungen aus dem Atomwaffensperrvertrags hielten.

Die Marshallinseln hatten ihre Erfahrungen mit Atomwaffen gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren das Bikini-Atoll und das benachbarte Eniwetok-Atoll Testgebiete für US-Atomwaffentestes. Die Einwohner wurden umgesiedelt. Das Bikini-Atoll, das zum Territorium der seit 1986 unabhängigen Marshallinseln gehört, kann bis heute wegen der radioaktiven Verschmutzung nicht bewohnt werden.

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Verleihung im schwedischen Reichstag

Die Auszeichnungen werden am 30. November im schwedischen Reichstag verliehen. Der Publizist Jakob von Uexküll, Onkel des heutigen Geschäftsführers, hatte den Preis 1980 als Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen gegründet. Er hatte zuvor vergeblich versucht, die Nobelstiftung davon zu überzeugen, auch den Einsatz für Umwelt und internationale Entwicklung mit einem Preis zu würdigen.

(sda/mbü/me)