Omar Sharif war ein Bild von einem Mann – gutaussehend, exotisch und verführerisch. Als «Doktor Schiwago» schrieb er Filmgeschichte. Am Freitag starb er in einem Alzheimer-Spital an einem Herzinfarkt.

In seiner Karriere hat der Mann mit dem Schnauzbart und den glühenden Augen vom britischen Gentleman bis zum indischen Maharadscha nahezu alle Rollen gespielt, die entweder eine bizarre, melancholische oder verruchte Persönlichkeit auf die Leinwand bringen sollten.

Zuletzt war allerdings im Frühjahr bekannt geworden, dass der Schauspieler an Alzheimer erkrankt war und sich in eine spezielle Einrichtung in Ägypten zurückgezogen hatte.

Kindheit in Kairo

Am 10. April 1932 als Sohn eines reichen Holzhändlers noch als Maechel Chalhoub in Alexandria auf die Welt gekommen, wuchs er in Kairo auf und zeigte schon als Kind Interesse für das Kino und die darstellende Kunst.

Der junge Mann aus betuchtem Hause gründete eine Schauspielgruppe und feierte sein Filmdebüt 1953 in dem ägyptischen Film «The Blazing Sun». Die prominente Hauptdarstellerin Faten Hamama sollte er, schon ganz in seiner Art des späteren Verführers, nur zwei Jahre später heiraten.

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Hang zum aufwendigen Leben

Als zu Affären neigender Schauspieler von Weltrang mit Hang zu einem aufwendigen Leben und den Spieltischen war Sharif auf seinem Zenit in den Schlagzeilen und gleichzeitig ein Publikumsliebling. Der erste internationale Aufmerksamkeit erhielt er nach mehr als 20 Filmen in Ägypten mit seiner Nebenrolle in «Lawrence von Arabien», wo er an der Seite von Peter O'Toole spielte. Sie brachte Sharif eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller und Vollbeschäftigung im Filmgeschäft.

Im Jahr 1966 ging in Folge der hochgelobten Pasternak-Verfilmung «Doktor Schiwago» seine Ehe in die Brüche. Der gemeinsame Sohn Tarek spielte in dem Film den Vater im Kindesalter. «Die Nacht der Generäle» (1967) und «Funny Girl» (mit Barbra Streisand, 1968) sollten folgen. Doch in den 70er-Jahren begann der Stern des Schauspielers zu sinken, der auch nicht immer ausgesprochen wählerisch war, wenn ihm Rollen angeboten wurden.

Gut im Bridge, schlecht im Roulette

Seine Spielleidenschaft machte Sharif im Jahr 1973 zum Weltmeister im Bridge, sie soll ihn allerdings auch bis an den Rand des Ruins gebracht haben. Sharif hatte sein eigenes Bridge-Team ins Leben gerufen, das überaus erfolgreich war. Allein bis 1982 verlor er aber Millionen von Dollar beim Roulette.

Zu den Allüren des einstigen Hollywoodstars passt die zweijährige Bewährungsstrafe, die Sharif 2007 in Los Angeles nach einem handgreiflichen Streit mit einem Parkplatzwächter aufgebrummt bekam – sein Porsche stand nicht bereit, als er in weiblicher Begleitung nachts davonbrausen wollte.

Doch dann war da noch «Herr Ibrahim und die Blumen des Koran» von 2003. In dem Film des Franzosen François Dupeyron lief der gealterte Charmeur noch einmal zur schauspielerischen Hochform auf. In Venedig hatte er zur Vorstellung dieses Films einen «Goldenen Löwen» für sein Gesamtwerk verliehen bekommen.

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(sda/ise)