Hat Dominique Strauss-Kahn gewusst, dass bei seinen Sex-Partys Prostituierte waren? Nein, sagt der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds. Diese Darstellung zweifelte nun erneut eine der Frauen an. Ihm müsse klar gewesen sein, dass sie als Prostituierte gearbeitet habe.

Dem ehemaligen IWF-Chef habe sie zwar nicht erzählt, dass sie Geld bekommen habe. Vor dem Geschlechtsverkehr sei sie aber auch nie nach ihrer Bereitschaft gefragt worden, sagte die Frau am Mittwoch vor dem Strafgerichtshof im nordfranzösischen Lille. Am Dienstag hatte sich eine andere Prostituierte ähnlich geäussert.

DSK: «Ich mag eine derbere Sexualität haben»

Beide berichteten von besonders brutalen Sexpraktiken des einstigen sozialistischen Spitzenpolitikers. Was der Angeklagte ihr zugefügt habe, zeige, dass er nur «wenig Respekt» vor ihr gehabt habe, fuhr die Frau am Mittwoch fort. Wenn sie einfach nur eine an freizügigen Sexpraktiken interessierte Frau gewesen wäre, dann hätte Strauss-Kahn sie zumindest gefragt, ob sie diese Sexpraktiken wolle.

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Strauss-Kahn, der bis 2011 als aussichtsreicher Anwärter auf das Präsidentenamt in Frankreich galt, wies die Vorwürfe gegen ihn mehrfach zurück. «Ich mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben», räumte er ein. Er stehe aber nicht wegen «irregeleiteter» Sexualpraktiken vor Gericht.

Bezahlte DSK für Sex?

Strauss-Kahn blieb auch am Mittwoch bei seiner Position, keine Information über Bezahlung gehabt zu haben. Der 65-Jährige wies die Argumentation der Anklage, derzufolge er wegen seiner harten Sexpraktiken habe wissen müssen, dass er es bei seinen Partys mit Prostituierten zu tun hatte, als «absurd» und als eine «falsche Logik» zurück.

Strauss-Kahn räumte ein, dass manche Praktiken den Frauen nicht gefallen haben könnten. Dies bedeute für ihn aber nicht, dass es Prostituierte gewesen seien. Dennoch entschuldigte sich Strauss-Kahn: Wenn einige Frauen unangenehme Erinnerungen an die Begegnungen hätten, tue ihm das leid.

Bis zu zehn Jahre Haft für Zuhälterei

Aus seiner Sicht gab es für ihn keinen Anlass anzunehmen, dass die Beteiligten etwas anderes gewesen seien als freizügige Frauen. Die vom Gericht befragte Ex-Prostituierte habe ihm gesagt, sie sei Tänzerin.
In der «Carlton»-Affäre - benannt nach einem der Luxushotels, wo freizügige Partys gefeiert wurden - müssen sich mit Strauss-Kahn noch 13 weitere Angeklagte verantworten. Wegen der Teilnahme der Prostituierten wird ihnen organisierte Zuhälterei vorgeworfen.

Bandenmässige Zuhälterei kann in Frankreich mit bis zu zehn Jahren Gefängnis und bis zu 1,5 Millionen Euro Geldstrafe geahndet werden. Der Prozess in Lille ist zunächst bis zur kommenden Woche terminiert. In Frankreich umfasst Zuhälterei auch die Organisation solcher Partys, wenn Prostituierte beteiligt sind.

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(sda/moh)