1. Home
  2. Aus der Röhre
  3. Flug MS804: Trümmerteile sorgen für Verwirrung

Suche
Flug MS804: Trümmerteile sorgen für Verwirrung

Egypt Air A320: Eine Maschine dieses Typs ist vor Griechenland abgestürzt. Keystone

Eine Passagiermaschine von EgyptAir ist ins Mittelmeer gestürzt. Der Flieger war auf dem Weg von Paris nach Kairo. Widersprüchliche Angaben zu gefundenen Trümmerteilen sorgten am Abend für Verwirrung.

Veröffentlicht am 19.05.2016

Ein ägyptisches Flugzeug mit 66 Menschen an Bord ist möglicherweise Ziel eines Terroranschlags geworden. Die EgyptAir-Maschine verschwand in der Nacht auf Donnerstag über dem Mittelmeer, im Laufe des Tages wurden dann an der mutmasslichen Absturzstelle Rettungswesten und andere Überreste der Maschine entdeckt. Ägyptens Regierung hält einen Anschlag für die wahrscheinlichste Ursache. Bestätigt ist dies aber nicht.

Bei einer genauen Analyse des Vorfalls sei die Wahrscheinlichkeit eines «Terrorangriffs» höher als die eines technischen Versagens, sagte Ägyptens Luftfahrtminister Scherif Fathi in Kairo. Der französische Präsident François Hollande sagte, «keine Hypothese» werde ausgeschlossen. Aussenminister Jean-Marc Ayrault warnte am Abend nach einem Treffen mit Hinterbliebenen in Paris vor Spekulationen: «Es sind zu viele nicht bestätigte Angaben im Umlauf.» EgyptAir erklärte, die Absturzursache sei noch unklar. Sowohl in Ägypten als auch in Frankreich nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf.

Anschlagstheorie plausibel

Die bekannt gewordenen Informationen über das Absturzgeschehen liessen die Anschlagstheorie plausibel erscheinen. Der Pilot setzte keinen Notruf ab, was auf einen plötzlichen Verlauf hindeutete. Die letzte Kommunikation mit dem Piloten gab es wenige Minuten vor dem Verschwinden des Flugzeugs. Dabei habe der Pilot «kein Problem erwähnt», teilte die griechische Flugaufsicht mit.

Nach einem zunächst störungsfreien Flug kam die Maschine dann heftig ins Trudeln: Erst schwenkte sie um 90 Grad nach links, kurz darauf um 360 Grad nach rechts. Zugleich sei der Airbus A320 von mehr als rund 11'000 Metern auf rund 4500 Meter abgesackt. Als Flug MS804 dann um 03.29 Uhr Ortszeit (02.29 Uhr MESZ) vom Radar der griechischen Behörden verschwand, hielt sich die Maschine nach Angaben der griechischen Behörde für Zivilluftfahrt bereits im ägyptischen Luftraum auf.

Experten vermuteten einen plötzlichen Zwischenfall an Bord. «Ein technisches Problem wie ein Brand oder eine Motorenpanne führt normalerweise nicht sofort zu einem Unfall», sagte der Luftfahrtexperte Jean-Paul Troadec. In solchen Fällen hätte die Besatzung Zeit gehabt, zu reagieren und Alarm zu schlagen.

Trümmerteile gefunden

Am Abend bestätigten ägyptische Behörden, dass es sich bei Trümmerteilen im Mittelmeer an der vermuteten Absturzstelle um Überreste des vermissten Flugs handle. Gefunden worden seien unter anderem Rettungswesten und Plastikteile, teilte EgyptAir unter Berufung auf die zuständigen Ministerien in Kairo mit.

Allerdings gab es zum Fund möglicher Wrackteile widersprüchliche Angaben: Die griechischen Luftfahrtsicherheitsbehörde dementierte am Abend Informationen der griechischen Armee, wonach Trümmer gefunden worden seien. Auch über den Fundort gab es von einander abweichende Angaben aus Ägypten und Griechenland.

«Intensivere Suche» angeordnet

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi ordnete am Abend eine «intensivierte» Suche an, um das Flugzeugwrack zu finden. Alle betroffenen Behörden müssten ihre Suche verstärken, darunter das Ministerium für zivile Luftfahrt, die Marine und die Luftwaffe, hiess es in einer Mitteilung der Präsidentschaft. Frankreich schickte drei Experten nach Kairo, um die Ermittlungen zu unterstützen.

Das EgyptAir-Flugzeug des Typs Airbus A 320 war in der Nacht auf dem Weg von Paris nach Kairo mit 66 Insassen - darunter nach Angaben der Airline ein Kleinkind und zwei Säuglinge - abgestürzt. An Bord waren ausser der Besatzung und Sicherheitsoffizieren 30 ägyptische Passagiere, 15 Franzosen sowie unter anderem Bürger aus Grossbritannien, Kanada und dem Irak. Schweizer zählten nicht zu den Passagieren.

(sda/cfr)

Anzeige