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Sexvorwürfe
Erste öffentliche Anhörung im Fall Bill Cosby

Bill Cosby: Der Comedy-Star muss vor die Richter. Keystone

Bis zuletzt hatte Bill Cosby mit teuren Anwälten versucht, diesen Termin zu verhindern: Der 78 Jahre alte Schauspieler muss erstmals bei einer öffentlichen Gerichtsanhörung aussagen.

Veröffentlicht am 22.05.2016

Bis zuletzt hatte Bill Cosby mit teuren Anwälten versucht diesen Termin zu verhindern: Am Dienstag (24. Mai, 15.30 MESZ) muss der 78 Jahre alte Schauspieler erstmals bei einer öffentlichen Gerichtsanhörung erscheinen, nachdem er zu den Sex-Vorwürfen gegen ihn zuvor monatelang geschwiegen hatte.

Ähnliche Anhörungstermine waren immer wieder kurzfristig verschoben oder abgesagt worden. Wird es diesmal anders sein und Cosby wirklich erscheinen? «Ja und ja», sagt Cosbys Anwalt Brian McMonagle kurz angebunden.

Weiterer Schritt zum Prozess

Der Termin im Fall «Commonwealth of Pennsylvania v. William Henry Cosby Jr.» ist kein Prozessauftakt, sondern lediglich eine vorbereitende Anhörung. Ob Bill Cosby selbst etwas sagen wird und ob es nach der Anhörung zum Prozess kommt, ist noch völlig unklar. Trotzdem ist das Interesse riesig.

«Wir haben die Veranstaltung extra in unseren grössten Saal gelegt», sagt eine Sprecherin des kleinen Gerichts in Norristown, einem Vorort von Philadelphia, etwa eine halbe Stunde von Cosbys Villa entfernt. Ein zweiter Gerichtssaal wird mit Live-Übertragung ausgestattet, insgesamt finden so 90 Zuschauer und 110 Reporter Platz.

Dutzende Fälle

Der Fall ist nur einer von mehreren, die Cosby derzeit am Hals hat und die ihn seit Monaten nicht mehr loslassen. Eigentlich hatte der frühere Vorzeige-Familienvater Amerikas, bekannt aus der 80er-Jahre-Sitcom «Die Bill Cosby Show», Ende 2014 noch einmal richtig durchstarten wollen, unter anderem mit einer TV-Show.

Aber dann schwappten ältere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs wieder hoch, und immer mehr Frauen schlossen sich an, inzwischen sind es mehr als 50. Die angeblichen Vorfälle liegen teils Jahrzehnte zurück. Über seine Anwälte hat der Schauspieler sie bislang zurückweisen lassen. Dutzende Frauen haben gegen Cosby Zivilverfahren angestrengt.

Der Fall in Pennsylvania ist bislang das einzige Strafverfahren. Bereits 2004 hatte eine frühere Universitätsangestellte Cosby sexuelle Nötigung vorgeworfen. Der Schauspieler habe ihr Tabletten verabreicht und sie dann in seinem Haus sexuell belästigt.

Fast wäre der Fall verjährt, dann machte der Staatsanwalt Ende 2015 doch noch ernst und liess Cosby verhaften. Gegen eine Million Dollar Kaution kam der Schauspieler wieder auf freien Fuss. Käme es zum Prozess und zur Verurteilung, drohten Cosby mehrere Jahre Haft.

Tiefer Fall

Der früher ausgesprochen beliebte Schauspieler ist tief gefallen und gilt inzwischen als Persona non grata in der Branche. Einzig seine Ehefrau Camille und die vier gemeinsamen Töchter halten nach wie vor öffentlich fest zu ihm.

Camille hatte im Februar selbst eine Anhörung über sich ergehen lassen müssen, dabei aber jede negative Äusserung über ihren Mann vermieden. Was sie von den Vorwürfen und dem vermeintlichen Betrug halte? «Ich habe dazu keine Meinung.»

(sda/chb)

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