Zwei Jahre nach der Textilfabrik-Katastrophe in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten sind Dutzende Menschen angeklagt worden. Unter den 42 Beschuldigten sind der Gebäudebesitzer, dessen Eltern und Beamte.

Das sagte der Chefermittler Bijoy Krishna Kar in Dhaka. Es war das schlimmste Fabrikunglück in der Geschichte des südasiatischen Landes. Der Rana-Plaza-Komplex war am 24. April 2013 in sich zusammengestürzt und hatte mehrere Tausend Menschen unter sich begraben – die meisten davon Textilarbeiterinnen und -arbeiter, die in einer der fünf Fabriken nähten. 1135 Menschen starben, rund 2500 Menschen wurden verletzt.

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Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Die Ermittler hatten festgestellt, dass minderwertiges Material für den Bau des achtstöckigen Gebäudes verwendet worden war. Die Manager der Fabriken hatten die Arbeiter gezwungen, trotz Rissen in das Gebäude hineinzugehen.

41 der 42 Beschuldigten seien nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden, erklärte ein Polizeisprecher. Ein Gericht in Dhaka akzeptierte die Anklageschriften. Ein Verfahren werde wegen fahrlässiger Tötung und eines wegen fehlerhafter Bauweise geführt, sagte Chefermittler Kar.

25 Beschuldigte auf der Flucht

Der ehemalige Besitzer von Rana Plaza sowie drei andere Angeklagte sitzen derzeit in Untersuchungshaft. 25 der Beschuldigten sind auf der Flucht. Der Rest ist gegen Kaution auf freiem Fuss.

Fabrikbesitzer Sohel Rana war wenige Tage nach dem Unglück an der Grenze zu Indien festgenommen worden, als er sich in das Nachbarland absetzen wollte. Er hatte das ursprünglich als Einkaufszentrum gebaute sechsstöckige Gebäude um drei Stockwerke aufstocken lassen und an die Fabrikanten vermietet.

Unter den Angeklagten sind auch zwölf Beamte, darunter Planer, Ingenieure sowie der frühere Bürgermeister des Ortes. Bangladesch stand wegen niedriger Standards bei der Gebäude- und Feuersicherheit in der Kritik. Es fehlte an Inspektoren; Zertifikate gab es auf dem Schwarzmarkt.

(sda/ise/chb)