Wenn vor H&M-Filialen Schlange stehen angesagt ist und sich Frauen wüste Schlachten liefern, ist das in der Regel ein eindeutiges Indiz dafür, dass eine neue Designer-Kollektion an der Stange der schwedischen Modemacher hängt. So auch in dieser Woche.

Die neue Kollektion von Alexander Wang für H&M liess körperliche Kampfhandlungen erwarten, ist der 30-Jährige doch einer der am meisten beachteten Designer der Welt. Der US-Designer mit taiwanesischen Wurzeln gilt als Shootingstar der Branche. Dabei war Wang gerade einmal 25 Jahre alt, als er 2009 in der Schweiz den «Swiss Textiles Award» gewann. Der mit sagenhaften 100'000 Euro dotierte Preis war für Wang die erste grosse Anschubhilfe.

In seinen jungen Jahren verantwortet er bereits neben seinen eigenen Linien «Alexander Wang» und «T by Alexander Wang» die Kollektionen des Pariser Avantgarde-Labels Balenciaga. Seit 2013 hat er dort als Chefdesigner das Sagen. Doch vor allem ist er der Liebling von Vogue-Chefin Anna Wintour – ein Ritterschlag in der Welt der Mode.

Sportmode für Jedermann

Statt Pret-à-Porter versucht sich Wang nun bei H&M in Sportmode für Jedermann, die allerdings viel Mut erfordert: Ob bauchfreie Tops, verschlungene Sport-BHs, weite Cropped-Sweater, gelaserte Strickware mit transparenten Elemente, fluoroszierende Parkas oder kurze Lederhosen – selbst Accessoires wie Schwimmbrille oder Boxhandschuhe sind nicht nur als Gag gedacht.

Der 30-Jährige tritt damit in die Fussstapfen von Karl Lagerfeld, der sich vor zehn Jahren als erster namenhafter Designer aufs Terrain der preiswerten Kaufhausmode begab. Eine Kooperation zwischen Massen- und Designermode, die es in dieser Form bis dahin nicht gab. Heute scheint die Hysterie um die preisgünstigeren Kreationen von Jahr zu Jahr grösser zu werden. Kein Wunder, bestreitet der Modekonzern jedes Jahr etliche Monate PR-Arbeit ausschliesslich über die Zusammenarbeit mit Grössen der Modebranche.

Designer-Kollektionen für H&M

Im Jahr 2004 bestritt Mode-Papst Karl Lagerfeld den Anfang. Sein typischer Stil spiegelte sich unverkennbar in der H&M-Linie wieder: Viel schwarz, klassische Schnitte und ein Hauch Chanel. Binnen einer Stunde war die Kollektion ausverkauft und die Ladentheke verwüstet. Der Umsatz des Konzerns stieg damals um elf Prozent, was unter anderem auf die Lagerfeld-Kollektion zurückgeführt wurde. Insgesamt sind die Gastdesigner längst zum festen Erfolgsfaktor der Schweden geworden.

Seither hat die Modekette mit zwölf weiteren Designern zusammengearbeitet. So entwarf der Schuhdesigner Jimmy Choo 2010 für die Schweden schwindelerregende Plateausandaletten, glitzernde Taschen und bequeme Ballerina. Von Versace gab es 2011 bunte Drucke auf Kleidern und sexy Schnitte und die Französin Isabel Marant lieferte 2013 Fransenstiefel. Bei Roberto Cavalli traf 2007 Animal-Print auf Gold und Glitzer, während bei Stella McCartney im Jahr 2005 viele Stücke der H&M-Kollektion aus biologische Baumwolle gefertigt wurden.

Anzeige