Ein früherer Paparazzo, ein wohnsitzloser Ex-Soldat, ein italienischer Gastwirt und drei weitere Männer müssen sich wegen der spektakulären Entführung einer reichen Hotelbesitzerin im südfranzösischen Nizza verantworten. Ihnen droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Nur eine Woche nach der Tat leitete die Staatsanwaltschaft am Sonntagabend förmlich ein Ermittlungsverfahren wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Erpressung ein. Staatsanwalt Jean-Michel Prêtre ordnete Untersuchungshaft für die sechs Männer und einen weiteren Verdächtigen an, bei dem es sich um einen Privatdetektiv handelte, der die Polizei nicht rechtzeitig einschaltete.

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76-jähriges Opfer

Die Entführungsverdächtigen sollen am Montag vergangener Woche die 76-jährige Besitzerin des in Cannes gelegenen «Grand Hôtel», Jacqueline Veyrac, entführt haben. Die Kidnapper verschleppten die Frau vor den Augen erschrockener Passanten in einem weissen Lieferwagen. Zwei Tage später wurde die gefesselte Hotelbesitzerin in dem parkenden Lieferwagen gefunden und befreit.

Die Entführer hätten die 76-Jährige an Händen und Füssen gefesselt sowie ihre Augen und ihren Mund mit Klebeband verschlossen, sagte Staatsanwalt Prêtre. Veyrac habe sich kurzzeitig befreien können, und beinahe sei ihr die Flucht aus dem Lieferwagen geglückt, berichtete er. An den Fesselstellen habe sie Verletzungen davongetragen, «die von ihrem Versuch herrühren, sich selbst zu befreien». Er sei «beeindruckt» vom Verhalten der älteren Dame, sagte der Staatsanwalt.

Racheakt vermutet

Den Ermittlern zufolge könnte es sich bei der Entführung um einen Racheakt des nun beklagten italienischen Gastwirts handeln. Er betrieb von 2007 bis 2009 ein Restaurant, das ebenfalls der Familie Veyrac gehörte, bis sein Unternehmen Pleite ging. Der Fotograf soll am Auto der Hotelbesitzerin ein Kontrollgerät angebracht haben, um sie verfolgen zu können. Der britische Soldat soll für die Bande Wache gestanden haben.

Die Hotelbesitzerin war bereits vor drei Jahren beinahe Opfer einer Entführung geworden. Die Ermittler prüfen nun eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Vorfällen.

(sda/mbü)