Beim Absturz eines Frachtflugzeugs kurz nach dem Start in der südsudanesischen Hauptstadt Juba sind dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine war nach Angaben des ukrainischen Flugzeugbauers Antonow fluguntüchtig. Zunächst seien 36 Leichen geborgen worden, sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes am Mittwoch. Unter den Trümmern befänden sich möglicherweise noch weitere Opfer. Das Flugzeug war kurz nach dem Start am internationalen Flughafen von Juba auf eine Insel im Weissen Nil gestürzt.

Die Zahl der Insassen der Maschine war zunächst unklar. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden zwei Überlebende aus dem Wrack geborgen, doch einer von ihnen erlag anschliessend seinen Verletzungen. Alle 36 Opfer - Männer, Frauen und Kinder - hätten sich an Bord der Maschine befunden.

Laute Geräusche

Das Flugzeug stürzte 800 Meter von der Startbahn entfernt auf eine kleine Insel, die von Bauern bewohnt ist. Der Bauer Ibrahim Mohamed berichtete, das Flugzeug sei nahe seines Hauses abgestürzt, in dem sich seine vier Kinder aufgehalten hätten. «Das Geräusch war so laut», sagte er. «Das Flugzeug ist kurz vor meiner Tür gelandet. Einer der Reifen fiel ab und rollte ins Haus - zum Glück wurde niemand verletzt.»

Unter den Todesopfern war auch die fünfköpfige armenische Besatzung des Flugzeugs, wie die armenische Botschaft in Ägypten mitteilte. Die Maschine sollte laut einem Bericht des UNO-Senders Radio Miraya nach Paloch im nördlichen Bundesstaat Upper Nile fliegen.

UNO-Soldaten unterstützen Rettungsarbeiten

Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP sah vom Flussufer aus das weisse Heck zwischen Bäumen hervorragen. Trümmerteile lagen verstreut herum. Die nahe dem Flughafen stationierte UNO-Blauhelmmission teilte mit, sie unterstütze die Such- und Rettungsarbeiten mit Krankenwagen und Soldaten.

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Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine Frachtmaschine vom Typ An-12B des ehemals sowjetischen und heutigen ukrainischen Herstellers Antonow, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigte. Laut der Nummer und dem Logo auf dem Heck gehörte das Flugzeug der Firma Allied Service Ltd, einer in Juba ansässigen Transportfirma. Das viermotorige Flugzeug kann bis zu 18 Tonnen Ladung aufnehmen. Die Besatzung besteht üblicherweise aus fünf oder sechs Menschen. In vielen Regionen Afrikas nehmen Transportflugzeuge aber auch Passagiere mit, um diese in abgelegene Gegenden zu bringen.

Flugzeug war nicht gewartet worden

Das Unternehmen Antonow erklärte, die 1971 gebaute An-12B sei entgegen den Sicherheitsbestimmungen nicht gewartet und überholt worden. Eine Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Firma behalte den Zustand ihrer Flugzeuge weltweit im Auge und gebe Empfehlungen für die Wartung und möglicherweise erforderliche Arbeiten ab. Anschliessend liege die Entscheidung bei den zuständigen Behörden der jeweiligen Länder.

Das Flugzeug wurde seinerzeit in der Sowjetrepublik Usbekistan gebaut und später in der Nachbarrepublik Tadschikistan zugelassen. Das Unternehmen Antonow nahm mittlerweile Kontakt zu den tadschikischen Flugbehörden auf, die seiner Meinung nach für die Wartung der Frachtmaschine verantwortlich waren.

Meistgenutzter Flughafen

Der Flughafen von Juba ist der meistgenutzte in dem Land, das so gross ist wie die iberische Halbinsel. In Juba landen internationale Linienflüge, aber auch Militär- und Frachtmaschinen, die Hilfsgüter in schwer zugängliche Gebiete bringen.

Der Südsudan ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Das Land ist von einem Jahrzehnte währenden Unabhängigkeitskrieg gegen den Sudan gezeichnet. Mit der Erklärung der Unabhängigkeit im Juli 2011 wurde der Südsudan der jüngste Staat der Welt. Seit Dezember 2013 wird das Land von einem schweren Bürgerkrieg erschüttert. Ungeachtet eines im August geschlossenen Friedensabkommens dauern die Kämpfe an.

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(sda/mbü)