Verzweifelte Landbewohner im Süden Mexikos haben angesichts der vielen Morde und Entführung in dem Land zur Selbstjustiz gegriffen: Einwohner von San Miguel Totolapan im Südwesten des Landes nahmen mehrere Menschen als Geiseln.

Darunter ist auch die Mutter eines Bandenchefs, mit der sie einen entführten Ingenieur freibekommen wollen. Etwa 220 Soldaten und Polizisten waren im Einsatz, um eine «Konfrontation» zu verhindern, wie der Gouverneur des Bundesstaates Guerrero, Arturo Astudillo, sagte.

«Wir haben ihre Mutter hier, Herr»

Der Ingenieur soll von Mitgliedern der Bande «Los Tequileros» entführt worden sein. Dieselbe kriminelle Organisation soll im vergangenen Monat zwölf Menschen in einem Dorf verschleppt haben, von denen bisher erst fünf frei sind. Bewohner von San Miguel Totolapan beschlossen daher nun, selbst mehrere Menschen als Geiseln zu nehmen, die mit der Bande zusammenarbeiten sollen.

Die Ehefrau des Ingenieurs forderte in einem Lokalsender die Freilassung ihres Mannes und wandte sich direkt an den Bandenchef: «Wir haben ihre Mutter hier, Herr, der Sie als 'El Tequilero' bekannt sind. Ich fordere einen Austausch. Für das Leben meines Mannes, das Ihrer Mutter.» Nach Angaben lokaler Medien sollen insgesamt 24 Menschen als Geiseln genommen worden sein. Die Regierung, die eine Verhandlungsgruppe einsetzte, erwartete einen Austausch der Geiseln.

Eine der höchsten Zahl an Morden weltweit

Nicht nur im Bundesstaat Guerrero leidet die Bevölkerung seit Jahren unter der Brutalität und Gewalt, die häufig von rivalisierenden Drogenkartellen ausgeht. Mexiko ist eines der Länder mit der höchsten Zahl an Morden weltweit.

(sda/tno/chb)

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