Einen Blick auf den frühen bildenden Künstler Günter Grass bietet eine Ausstellung, die von Donnerstag an im Günter-Grass-Haus in Lübeck zu sehen ist. Die Schau mit dem Titel «Don't fence me in» zeigt Zeichnungen, Aquarelle und Plastiken, die zwischen 1948 und 1952 während Grass' Studium an der Kunstakademie Düsseldorf entstanden sind.

Die Bilder galten lange als verschollen und wurden erst 2013 unter einer Treppe des Hauses gefunden, in dem Grass als Student gelebt hatte. Sie stammen aus einer Zeit, in der der spätere Literaturnobelpreisträger («Die Blechtrommel») noch nicht wusste, dass er einmal Schriftsteller werden würde. Jetzt werden jetzt erstmals öffentlich gezeigt.

Deponiert und vergessen

Als Student der Bildhauerei und Grafik in Düsseldorf experimentierte der junge Grass mit verschiedenen Kunststilen: Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus, Kubismus. «Die Kunst der Klassischen Moderne, die unter den Nationalsozialisten verfemt war, galt Grass als Anknüpfungspunkt für seine eigenen Arbeiten», sagte die Kuratorin der Ausstellung, Viktoria Krason, bei der Präsentation. So erinnern viele der gezeigten Zeichnungen und Aquarelle an Bilder von Otto Dix, Pablo Picasso, Edvard Munch oder Ernst Ludwig Kirchner.

Als Grass Anfang 1953 von Düsseldorf nach Berlin zog, deponierte er die insgesamt 150 Arbeiten in einem Raum unter der Treppe, die in seine Düsseldorfer Dachwohnung führte - und vergass sie. Jahrzehnte später entdeckte sein Nachmieter die Bilder.

«Das soll von mir sein?»

Als der ihm 2013 das Konvolut überreichte, fiel der inzwischen für seine Kombination aus Schreiben und Zeichnen berühmte Grass aus allen Wolken. «Das soll von mir sein?» schreibt er in seinem letztem Buch «Vonne Endlichkait», in dem er die Rückgabe der wiederentdeckten Arbeiten schildert.

Grass war im April 2015 im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben.

Anzeige

(sda/cfr)