Über zwölf Jahre nach ihrem Start ist die Rosetta-Forschungssonde am Freitag plangemäss auf den Kometen Tschuri abgestürzt. Die Mission der europäischen Weltraumbehörde ESA gilt als eine der erfolgreichsten in der Raumfahrtgeschichte.

Um 13.19 Uhr brach der Datenstrom im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt ab, was die Wissenschaftler als Beleg für den kontrollierten Aufprall der Sonde auf dem 720 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Kometen 67P/Tschurjomov-Gerasimenko, kurz «Tschuri», werteten.

Beitrag der Uni Bern

Das letzte Lebenszeichen der Raumsonde wurde sowohl in Darmstadt wie an der Universität Bern mit Applaus gewürdigt. Forscher und Gäste am Physikalischen Institut feierten den Abschluss der «verrücktesten» Mission der ESA mit einem öffentlichen Rosetta-Finale.

Die Uni Bern hatte das Messgerät Rosina an die Mission beigesteuert. Das Massenspektrometer analysierte die chemische Zusammensetzung von Tschuris Ausdünstungen. Diese liessen sich am Freitag auch gleich erschnuppern: Die Forscher hatten Tschuri-Postkarten mit dessen Duftnote «parfümiert«. Der Komet riecht unter anderem nach Ammoniak und Methanol.

Anzeige

«Melancholischer Moment»

Rosina-Projektleiterin und Astrophysikerin Kathrin Altwegg verfolgte die letzte Stunde Rosettas im ESA-Kontrollzentrum und war zuvor per Skype-Schaltung mit den Forscherkollegen und dem Publikum im Berner Hörsaal verbunden. Sie sprach von einem «melancholischen Moment«, doch sei das Ende gleichzeitig auch «grandios».

Die Raumsonde war bereits im März 2004 ins All gestartet und erreichte Rosetta zehn Jahre später. Seit August 2014 erforschte die Sonde den Himmelskörper auf einer Umlaufbahn. Dabei wurde das Landegerät Philae auf dem Kometen abgesetzt. Mit Philae landete erstmals ein von Menschen geschaffenes Gerät weich auf einem Kometen.

Mit dem Entscheid zum finalen Anflug auf die Kometenoberfläche wurde der wissenschaftliche Ertrag der Mission bis zum Schluss genutzt. Bei ihrem kontrollierten Absturz sandte Rosetta bis zum letzten Moment Daten zur Erde, darunter nie gesehene Nahaufnahmen der Kometenoberfläche in hoher Auflösung.

Obwohl sich die Raumsonde seit ihrem letzten Manöver vom Donnerstagabend im «freien Fall» befand, war die Landung mit einer Geschwindigkeit von 90 Zentimetern pro Sekunde - also Schritttempo - relativ sanft.

Daten-Auswertung dauert noch Jahre

Die Auswertung der übertragenen Daten wird noch Jahre dauern. Die Daten der letzten Stunden dürften für die Forscher besonders interessant sein. Denn ihr Finale brachte Rosetta dem Kometen näher denn je, was den Messgeräten erlaubte, einmalige Daten zu sammeln.

Gerade grössere Moleküle konnte das Berner Messgerät Rosina nur aus grösserer Nähe «erschnuppern«, da sie sehr selten sind. Projektleiterin Altwegg schätzt, dass es noch fünf bis zehn Jahre dauern könnte, bis die letzten Daten ausgewertet sind. Die Professorin wird diese Auswertung nicht mehr begleiten, da sie «quasi zusammen mit Rosetta» in Pension geht.

Anzeige

Als eine der bislang grössten Entdeckungen von «Rosetta» gilt die Erkenntnis, dass das Wasser auf der Erde im Gegensatz zu früheren Theorien nicht von Kometen wie Tschuri stammt.

(sda/gku)