Nordkoreas zentraler Fernsehsender KCTV will nach Informationen des Wall Street Journal Deutschland (WSJ) ab Mitte September erstmals Spiele der deutschen Fussball-Bundesliga ausstrahlen. Jörg Daubitzer, als Geschäftsführer der DFL Sports Enterprises verantwortlich für die Auslandsvermarktung der Liga, bestätigt den Vertragsabschluss: «Uns geht es darum, unser Produkt auch in Nordkorea bekannter und die Bundesliga dort erlebbar zu machen», wird Daubitzer zitiert. Der Abschluss befördere die DFL in neue Dimensionen, heisst es. Den Coup mit dem kommunistischen Neukunden stuft Daubitzer als «nice-to-have» ein.

Bundesliga auf Propagandakanal

Nordkoreas fast 25 Millionen Einwohner leben weitgehend medial abgeschottet vom westlichen Ausland, so das «WSJ». Der Zentralsender KCTV gelte im Einparteiensystem als Propagandakanal, der von montags bis samstags ab 17 Uhr für jeweils sechs Stunden den Sendebetrieb aufnimmt. Fussball aus deutschen Stadien gebe dem Programm eine neue Note.

Der Deal gelte laut Bericht unter Experten vor allem politisch als bemerkenswert. «Dass die Bundesliga den Schritt in das verschlossene Land geschafft hat, ist ein sehr positives Zeichen», sagt Willi Lemke, Sonderberater des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für den Sport und ehemaliger Präsident von Werder Bremen.

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Stürmer-Star in Deutschland

Den Plänen nach könnte es bereits am kommenden Spieltag (14. bis 16. September) mit den Übertragungen losgehen. Weitere Details seien nicht bekannt. Im Falle der ersten Liga könnte sich der Sender via Satellit bedienen, bei Zweitligapartien würde die Partie von Band ausgestrahlt, heisst es.

Das Interesse der Nordkorea an der Bundesliga dürfte eng mit Chong Tese verbunden sein: Der Stürmer steht beim 1. FC Köln unter Vertrag und ist damit der erste Nordkoreaner in der Bundesliga.

(vst/muv)