Das Waadtländer Kantonsgericht hat am Freitag die lebenslängliche Verwahrung für den Mörder von Marie bestätigt. Es sah den Täter als dauerhaft nicht therapierbar an. Dieser war überraschend nicht anwesend bei der Urteilseröffnung. Sie habe vor einer Stunde einen Anruf vom Gefängnis erhalten, dass der Angeklagte nicht kommen werde, sagte die Gerichtspräsidentin zu Beginn der Urteilseröffnung in Lausanne, ohne auf Details einzugehen.

In Abwesenheit des 40-Jährigen Schweizers stellte sie später im Urteil klar: «Der Angeklagte stellt dauerhaft ein Risiko für die öffentliche Sicherheit dar.» Das Gericht bewertete das Tötungsdelikt klar als Mord. Der Angeklagte habe Marie stundenlang in seiner Gewalt gehalten, bevor er sie mit einem Gürtel erwürgt habe. Man könne sich kaum eine grauenvollere Lage für ein Opfer vorstellen, sagte die Gerichtspräsidentin. Der Täter habe das Opfer leiden lassen wollen.

Sehr schlechte Prognose

Nach Angaben der psychiatrischen Gutachter weise dieser eine schwere dissoziale Störung auf, so dass er dauerhaft nicht therapierbar sei. Die drei Richter sahen auch die Expertisen der beiden psychiatrischen Gutachter als übereinstimmend an. Einer der beiden Gutachter habe zwar keine Prognose bis ans Lebensende gestellt. Seine aktuelle Prognose sei aber derart schlecht, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich das eines Tages ändern könnte.

Auch die von der Verteidigung im Berufungsprozess geäusserten Zweifel an der Vereinbarkeit der lebenslänglichen Verwahrung und der europäischen Menschenrechtskonvention wurden vom Waadtländer Kantonsgericht verworfen. Bei einer lebenslänglichen Verwahrung im Sinne der 2004 vom Schweizer Stimmvolk angenommenen Verwahrungsinitiative steht eine bedingte Entlassung erst zur Diskussion, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse für die wirksame Behandlung von Straftätern vorliegen.

Weiterzug möglich

Eine regelmässige Überprüfung wie bei der ordentlichen Verwahrung gibt es nicht. Zwar verstosse eine lebenslange Haft ohne die Aussicht auf eine Entlassung gegen die Menschenrechtskonvention, sagte die Gerichtspräsidentin. Das sei bei der Verwahrung aber nicht der Fall. Trotz den restriktiven Entlassungsbedingungen verstosse die lebenslänglichen Verwahrung nicht gegen die Menschenrechte. Der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Cottier begrüsste nach der Urteilseröffnung diese Auslegung. «Der Verurteilte wird nicht in der Versenkung verschwinden gelassen», sagte er.

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Die Verteidiger Loïc Parein und Yaël Hayat blieben nach dem Berufungsprozess zurückhaltend und liessen einen Weiterzug ans Bundesgericht offen. Sie wollen zunächst das schriftliche Urteil abwarten und sich mit ihrem Mandanten besprechen. Die Verteidiger begrüssten es jedoch, dass das Gericht sich mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob die lebenslängliche Verwahrung mit den Menschenrechten vereinbar sei. Die Verteidiger zeigten sich jedoch erstaunt über die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts.

Eltern von Marie erleichtert

Sie hatten im Berufungsprozess vergeblich eine Aufhebung der lebenslänglichen Verwahrung sowie eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung anstatt wegen Mordes gefordert. Das Gericht bestätigte jedoch sämtliche Schuldsprüche des Regionalgerichts von Ende März. Der Angeklagte wurde erneut wegen Mordes, sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und Entführung sowie wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen.

Der Mann hatte am 13. Mai 2013 die 19-jährige Marie in Payerne VD in ein Auto gezerrt und entführt. In der Nacht auf den 14. Mai erdrosselte er die Frau in einem Wald bei Châtonnaye FR. Der Mann verbüsste zum Zeitpunkt der Tat eine Reststrafe in Hausarrest. Er hatte 1998 seine damalige Ex-Freundin in einem Chalet in La Lécherette VD vergewaltigt und danach erschossen. Dafür wurde er im Alter von 22 Jahren zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zufrieden mit dem Ausgang des Berufungsprozesses zeigten sich die Eltern der getöteten Marie. Das Gericht habe weder das Grauen banalisiert, noch die Tat relativiert, sagte der Vater, ein Waadtländer Pfarrer. «Marie ist Gerechtigkeit getan» sagte er.

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(sda/gku)