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Raubkunst
Gerüchte um weitere Nazi-Schätze

Ein von Franz Marc gemaltes Bild, welches in der Wohnung von Cornelius Gurlitt gefunden wurde. (Bild: Keystone)

Ähnlich wie die kürzlich in München gefundenen Bilder könnten weitere Kunstwerke in Privathäusern liegen. Chaotische Zustände nach dem Zweiten Weltkrieg förderten das Verschwinden der Bilder.

Veröffentlicht am 09.11.2013

Der spektakuläre Münchner Kunstfund könnte nach Ansicht von Experten kein Einzelfall bleiben - zumindest seien viele Privatschätze aus Raubkunst möglich.

Bereits während des Kunstraubs durch die Nazis seien viele Gemälde und andere Artefakte in unbekannte Hände gelangt, sagte der Fachbuch-Autor Konrad Kramar («Mission Michelangelo») der Nachrichtenagentur dpa: «Es wurde schon damals sehr viel gestohlen.»

Beim Transport in das zentrale Sammellager der Nazis im österreichischen Altaussee habe es 1943 und 1944 «chaotische Zustände» gegeben. Mehr als 5000 von den Nazis zusammengeraffter Kunstwerke lagerten bis 1945 in dem steirischen Salzbergwerk.

Viele Werke seien bis heute nicht mehr aufgetaucht. Seit Jahrzehnten hielten sich dafür Gerüchte über Kunstschätze in Privathäusern, auch in der Umgebung der Stollen in der Steiermark. Doch so gut wie niemand wolle bis heute darüber reden, sagte Kramar.

Raub «generalstabsmässig angelegt»

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass in einer Münchner Wohnung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt rund 1400 meist verschollen geglaubte Kunstwerke beschlagnahmt worden sind.

Sie gehören grösstenteils zur laut Nazis «entarteten Kunst» - unklar blieb jedoch zunächst, ob sich darunter wirklich Raubkunst befindet, da keine Liste der Werke öffentlich wurde.

Der Raub von Werken wie Jan van Eycks Genter Altar, Michelangelos Brügger Madonna oder Pieter Bruegels «Bauernhochzeit», sei von den Nazis «generalstabsmässig angelegt» gewesen, erklärte Kramar.

Ziel Hitlers sei gewesen, damit ein sogenanntes Führermuseum in seiner Lieblingsstadt Linz zu gründen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die amerikanischen Soldaten für die Rückführung der verbliebenen Werke in die Herkunftsländer. Doch auch dabei seien wieder viele Stücke abhanden gekommen, sagte Kramar.

Kunstwerke von Bergleuten gerettet

Acht amerikanische Fliegerbomben lagen laut Kramar im österreichischen Altaussee ebenfalls unter Tage. Tonnen von Sprengstoff in den Stollen sollten den Kunstschatz im Fall der Niederlage der Nazis zerstören.

Bergleute aus dem Salzkammergut, die oftmals Widerstandskämpfer gewesen seien, haben die Mine laut Kramar samt den Werken gerettet: Sie schafften die Bomben weg. Ob sie im Auftrag oder aus eigener Initiative handelten, lasse sich nicht mehr klar rekonstruieren.

(sda/jev)

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