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Go-Meisterspieler rettet Ehre der Menschheit

Lee Sedol: Doch noch eine Partie gegen AlphaGo gewonnen. Keystone

Im vierten Spiel hat Lee Sedol nach drei Niederlagen doch noch einen Sieg gegen die Google-Software AlphaGo errungen. Am Gesamtsieg des Programms ändert sich damit aber nichts.

Veröffentlicht am 13.03.2016

Die Fans von Go atmen auf: Im viel beachteten Brettspiel-Duell zwischen Mensch und Computer hat der Spitzenspieler Lee Sedol in der vierten Partie gegen die Google-Software AlphaGo einen Prestigesieg errungen. Der Gesamtsieg jedoch ist dem Programm nicht mehr zu nehmen.

Vor dem letzten Spiel am Dienstag in Seoul steht es bereits 3:1 für die Software. Dennoch zeigte sich der Südkoreaner Lee nach der gewonnen vierten Partie erleichtert: «Dieser Sieg ist unbezahlbar.» Nach der dritten Niederlage am Samstag hatte sich Lee noch bei seinen Fans entschuldigt.

Grosse Töne vor der Serie

Das Fünf-Spiele-Match in Seoul wird live auf der Google-Videoplattform YouTube gezeigt. AlphaGo sicherte sich bereits das Preisgeld von einer Million Dollar - der Betrag soll gespendet werden.

Schon der erste Sieg des Programms am vergangenen Mittwoch wurde als ein riesiger Fortschritt in der Entwicklung selbstlernender Maschinen und künstlicher Intelligenz gewertet. Das Strategiespiel Go mit seinen vielen möglichen Spielzügen galt bis zuletzt als zu komplex für Computer. Lee hatte sich vor dem Duell deswegen auch absolut siegessicher gezeigt: Er werde «haushoch» gewinnen, kündigte der Go-Spitzenspieler noch im Februar an.

«Ich war machtlos»

Nach den Niederlagen sprach Lee von einer fast perfekten Spielweise von AlphaGo. «Ich war machtlos», sagte er nach der dritten Partie am Samstag. Bereits nach dem ersten Sieg des Computers am Mittwoch zeigte sich Lee «geschockt» über die überraschenden Spielzüge von AlphaGo. Einige von ihnen hätte kein Mensch so gemacht, sagte der Südkoreaner.

Der Computer habe bei dem Duell «durchgängig» gut gespielt, kommentierte Lees früherer Trainer Kwon Kyp Yong am Samstag. Lees Schwäche sei seine «mentale Verletzbarkeit» gewesen. Er sei eben «nur ein Mensch». Darum habe der Computer in dem Duell zunehmend «die Oberhand gewonnen».

AlphaGo mit schrägen Zügen

Am Sonntag deckte Lee dann aber die Schwächen des Programms auf. Zunächst tat sich Lee gegen AlphaGo erneut schwer, konnte sich aber zum Ende mehr und mehr durchsetzen. Der Rechner gab die Partie am Sonntag nach mehr als viereinhalb Stunden auf, nachdem die Gewinnmöglichkeiten auf ein Minimum gesunken waren.

«Lee hat AlphaGo überrascht», sagte der Profi Michael Redmond, der die Partien auf YouTube kommentiert. Sein Eindruck sei gewesen, AlphaGo habe auch noch in einer Verlustposition auf Gewinn spielen wollen. Das erkläre auch die schrägen Züge des Rechners.

Nicht perfekt

Der 33-jährige Lee, der schon mit zwölf Jahren Profi wurde und in seiner Karriere 18 internationale Turniere gewann, erhielt nach dem Sieg am Sonntag bei der anschliessenden Medienkonferenz kräftigen Applaus. «Ich möchte diesen Sieg gegen keinen andern tauschen», sagte er.

Die Niederlage für das Programm am Sonntag sei sehr wertvoll, sagte Demis Hassabis, der den zu Google gehörenden AlphaGo-Entwickler DeepMind mitgegründet hatte. Der britische Software-Entwickler DeepMind wurde von Google vor gut zwei Jahren gekauft, laut Medienberichten für 500 Millionen Dollar. Sein Team werde die Partie genau analysieren und AlphaGo verbessern, sagte Hassabis in Seoul. Hassabis hatte schon vorher deutlich gemacht, dass AlphaGo nicht perfekt sei.

Gewaltige Zahl von Zügen möglich

AlphaGo hatte bereits im Oktober für Schlagzeilen gesorgt, als es den Europameister Fan Hui mit 5:0 deklassiert hatte. Allerdings gehört dieser nicht wie Lee Sedol zur Weltspitze. Seit dem Match im Oktober verbesserte sich die Software weiter. Die Programmierer fütterten sie ursprünglich mit Zig-Millionen Zügen menschlicher Spieler, doch lernt sie selbst dazu.

Die Regeln des ursprünglich aus China stammenden Go sind relativ einfach: Zwei Spieler versuchen, auf einem Spielbrett - ein Raster von 19 vertikalen und 19 horizontalen Linien - Gebiete zu erobern. Dafür setzen sie abwechselnd schwarze und weisse Steine.

Auf dem Brett mit 361 Feldern ist aber eine gewaltige Zahl von Zügen möglich, was es selbst für einen leistungsstarken Computer schwierig macht, die Entwicklung des Spiels durchzurechnen. Im Schach hingegen werden schon lange Computer eingesetzt.

(sda/gku)

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