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Stockholm
Gravitationswellen-Entdecker mit Nobelpreis geehrt

Kip Thorne: Teilt sich den Nobelpreis mit zwei Kollegen. Keystone

Am zweiten Tag der Nobelpreiswoche wird der Nobelpreis für Physik vergeben. Das Komitee ehrt ein Trio, dessen Forschung mit Albert Einstein zusammenhängt.

Veröffentlicht am 03.10.2017

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zu einer Hälfte an Rainer Weiss, zur andere Hälfte an Barry C. Barish und Kip S. Thorne. Die US-Forscher werden für ihre Beiträge zum Nachweis von Gravitationswellen geehrt.

Rainer Weiss und Kip Thorne haben das LIGO-Konsortium (für Laser Interferometer Gravitationswellen Observatorium) in den 1980er Jahren gegründet, Barry Barish hat sich insbesondere um die erfolgreiche Fortführung des Konsortiums verdient gemacht. Die drei haben damit wesentlich zum Nachweis der Gravitationswellen beigetragen, wie die schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte.

Später Nachweis

Albert Einstein hatte die wellenartigen Verkrümmungen der Raumzeit, die durch Kollision extrem massereicher Objekte ausgelöst werden, vor rund hundert Jahren vorhergesagt. Ihr Nachweis gelang jedoch erst am 14. September 2015. Zu diesem Zeitpunkt trafen Gravitationswellen, die von zwei verschmelzenden schwarzen Löchern in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde ausgingen, auf den LIGO-Detektor und wurden von diesem als schwaches Signal aufgefangen.

Der Nachweis, der im Februar 2016 bekannt gegeben wurde, sorgte für Furore und läutete eine neue Ära der Astrophysik ein: Forschende haben damit eine neue Möglichkeit, auf Ereignisse im Universum zu «lauschen» und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Zum LIGO-Konsortium gehören über 1000 Forschende aus 20 Ländern.

Experiment und Theorie

Der Nobelpreis für den sensationellen Nachweis sei nur eine Frage der Zeit gewesen, kommentiert Astrophysiker Philippe Jetzer von der Universität Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die drei Preisträger hätten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften wesentlich zum Gelingen des Unterfangens beigetragen, Weiss mehr als der Experimentator, Thorne eher als Theoretiker und Barish – neben seiner Forschungstätigkeit – als Organisator. Schade sei es trotzdem, dass der Nobelpreis nicht an Forschungskooperationen verliehen werde, so Jetzer.

Ursprünglich war neben Thorne und Weiss auch der Brite Ronald Drever ein heisser Kandidat für den Gravitationswellen-Nobelpreis, er verstarb jedoch im März 2017, sodass Barish nachrückte. Der 1940 geborene Thorne und der 1936 geborene Barish forschen am California Institute of Technology, der 1932 in Berlin geborene Weiss am Massachusetts Institute of Technology.

Ebenfalls Mediziner-Trio

Im vergangenen Jahr hatten die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz den Physik-Nobelpreis für ihre theoretischen Arbeiten zum Zustand von Materie erhalten. Den Auftakt der Nobelpreiswoche machte am Montag der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für die drei US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Das Nobel-Komitee würdigte ihre Arbeiten zur «Inneren Uhr» von Organismen.

Die Auszeichnungen sind mit je neun Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Franken) dotiert. An Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden sie in Stockholm und Oslo verliehen.

(sda/cfr/me/jfr)
 

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