Wenn er geht, endet die Ära des Fernsehens alter Schule: US-Latetalker David Letterman verabschiedet sich heute Nacht von der Bühne (CBS, 5:35 Uhr MESZ). Mit dem 68-Jährigen geht der letzte Titan der alten Fernsehwelt. Intimfeind Jay Leno, der ihm einst den Sendeplatz stahl, hat bereits vor 15 Monaten dem Bildschirm Lebewohl gesagt.

Über 33 Jahre lang war Lettermans Sendung das Wohnzimmer der Nation. Erst mit «Late Night with David Letterman» bei NBC. Dann, als der Sender Leno 1992 den Vorzug bei der «Tonight Show» gab, machte er bei CBS mit der «Late Show» weiter.

Barack Obama und Roger Federer

Alle sind sie gekommen, um neben seinem Schreibtisch Platz zu nehmen – viele amüsiert, einige mit Angst vor seinem hintergründigen Witz, wenige mit bizarren Auftritten wie Joaquin Phoenix 2010. US-Präsident Barack Obama war bei ihm, Julia Roberts gab sich 26 Mal die Ehre, auch Roger Federer wurde eingeladen. 19’932 Gäste waren es insgesamt.

Wo ist Joaquin Phoenix?

Sein jungenhaftes Lächeln in Kombination mit dem distanziert-lakonischen Humor machte Letterman zur Ikone und prägte nicht zuletzt auch die deutsche und Schweizer Fernsehlandschaft, indem er Harald Schmidt ein Vorbild gab.

Sex-Beichte nach Erpressungsversuch

Der denkwürdigen Gästeliste zum Trotz schrieben nicht zuletzt die Momente Fernsehgeschichte, in denen Letterman die Bühne allein beherrschte. Sein denkwürdiges Sex-Geständnis von 2009 kam zunächst so ironisch daher, dass die Zuschauer mehrere Minuten auf die Pointe warteten. Erst als er sich selbst «schmierig» nannte, weil er mit mehreren weiblichen Angestellten seiner Sendung Sex gehabt hatte, merkte das Publikum, dass es ihm ernst war.

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Lettermans öffentliche Beichte war die Reaktion auf einen Erpressungsversuch. Er habe «sich benommen wie ein juveniler Rockstar mit Samenkoller – ging damit aber um wie ein Erwachsener», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» nun zum Abschied.

Lettermans Beichte nach Erpressungsversuch:

Gibt es Humor nach dem 11. September?

Noch prägender als dieser prekäre Moment waren allerdings die Worte, die David Letterman in der ersten Sendung nach den Anschlägen vom 11. September fand. Er begann mit den Worten: «Wenn ich diese Sendung weitermache, dann muss ich erst einige Minuten lang etwas sagen.» Mit seinem tiefen Ernst schaffte er es, den Schock einer Nation in seiner Ansprache aufzufangen und vollbrachte das fast Undenkbare: die Kehrtwende zum Humor.

Die erste Sendung nach 9/11:

Heute Abend wird David Letterman ein letztes Mal auf der Bühne der «Late Show» stehen. Seine Nachfolge tritt Komiker Stephen Colbert an. Wie Leno-Erbe Jimmy Fallon steht er für die junge Generation der Talkmaster, die in TV-Streams und Youtube-Clips denkt.

Letterman alleine auf der Bühne

Der Erste war bei Letterman der Letzte: Bill Murray besuchte ihn 1982 in der Auftaktsendung und sprang gestern Abend als Überraschung aus einer Torte. Heute, zur finalen Sendung, wird Letterman alleine auf der Bühne stehen.

Bill Murray war 43 Mal zu Gast bei Letterman:

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