Der Axt-Angriff in einem Regionalzug bei Würzburg hat nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler einen islamistischen Hintergrund. Der 17-jährige Täter aus Afghanistan habe sich an Nicht-Muslimen rächen wollen, die seinen Glaubensbrüdern Leid angetan hätten, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager.

Bei dem Angriff am Montagabend waren fünf Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwebten am Dienstag noch in Lebensgefahr. Unter den Opfern waren eine Familie aus Hongkong und eine Passantin. Der auf der Flucht erschossene junge Mann sei mit dem vorgefassten Entschluss in den Zug gestiegen, ihm unbekannte «Ungläubige» umzubringen.

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Verlust von Freund als Auslöser

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte wenige Stunden nach dem Attentat, den Angriff mit fünf Verletzten für sich beansprucht. Ausserdem wurde ein Bekenner-Video veröffentlicht, das den mutmasslichen Attentäter vor der Tat zeigen soll.

Ein möglicher Auslöser für den Angriff im Zug könnte die Nachricht vom Tod eines Freundes in Afghanistan gewesen sein. Am vergangenen Samstag habe der 17-Jährige davon erfahren. Dies habe grossen Eindruck auf ihn gemacht und ihn nachhaltig verändert, sagte Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt.

Konkrete Verbindung zum IS nicht belegt

Es gebe keine Beweise, dass der Täter sich bereits vor seiner Einreise am 30. Juni 2015 als Flüchtling nach Deutschland radikalisiert habe, so Ohlenschlager. Auch seien konkrete Verbindungen zum IS nicht belegt, selbst wenn der Angreifer wohl eine Sympathie für die Terrorgruppe gehabt habe. Während der Tat habe er mehrmals «Allahu akbar» («Gott ist gross») gerufen, so LKA-Ermittler Köhler.

Er wohnte seit kurzem bei einer Pflegefamilie. In seinem Zimmer dort wurde ein Block mit einem IS-Symbol gefunden sowie einer Textpassage, die wohl ein Abschiedsbrief an seinen Vater ist. Darin beklagte sich der Jugendliche «über Ungläubige und Taten, die diesen Ungläubigen zuzurechnen sind».

Video wird untersucht

Am Dienstag veröffentlichte die IS-Propaganda-Agentur Amaq zudem im Internet ein Video. Darin bekennt sich ein junger Mann zum IS, der der spätere Attentäter sein soll. «Ich bin ein Soldat des Islamischen Staates und beginne eine heilige Operation in Deutschland.» Dabei hält er ein Messer in der Hand.

Noch sind die Ermittler nicht sicher, ob das Video den Attentäter aus dem Regionalzug zeigt. Unklar sei ausserdem, ob das Video, mit dem die Ermittler arbeiteten, dasselbe sei, das Amaq veröffentlicht habe. «Ich kenne das Video noch nicht», sagte Oberstaatsanwalt Ohlenschlager. Von dem im Internet veröffentlichten Video habe er erst vor kurzem erfahren.

Kein regelmässiger Moscheegänger

Das deutsche Innenministerium erklärte, das von Amaq veröffentlichte Video sei sowohl den Sicherheitsbehörden als auch dem Ministerium bekannt. «Die sorgfältige Auswertung dauert an», so ein Sprecher. Bereits zuvor hatte der IS die Axt-Attacke für sich beansprucht. Bei dem Angreifer handle es sich um einen IS-Kämpfer, teilte Amaq mit.

Bisher sei der 17-Jährige strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, erklärte der LKA-Ermittler in Würzburg weiter. Er sei «polizeilich ein völlig unbeschriebenes Blatt» gewesen, so Köhler. Der Jugendliche sei ein gläubiger Muslim gewesen, der aber nicht regelmässig in die Moschee gegangen sei und privat gebetet habe. Auch Zeugen fiel er bisher nicht als aggressiv oder reizbar auf. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war die Tat daher nicht vorhersehbar.

Obduktion folgt

Der 17-Jährige war mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug, flüchtete und griff noch eine Spaziergängerin an. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen war, nahm die Verfolgung auf.

Die Polizisten hätten in einer Notwehrsituation auf den 17-Jährigen geschossen und «in höchster Not keine andere Möglichkeit gehabt». Mindestens vier Schüsse seien abgegeben worden. Wie viele Schüsse es genau waren, müsse die Obduktion zeigen.

(sda/jfr)