Durch den Brand auf der «Norman Atlantic» sind neuen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen getötet worden. Es seien zwei weitere Leichen entdeckt worden, teilte die italienische Marine am Montagabend mit. Vorherigen Regierungsangaben zufolge wurden 427 Menschen gerettet, darunter alle 56 Besatzungsmitglieder. Der Verbleib von Dutzenden weiteren Passagieren war zunächst unklar: Auf der Liste der Insassen standen insgesamt 478 Namen. Der italienische Verkehrsminister Maurizio Lupi sagte jedoch, die Passagierliste sei möglicherweise nicht korrekt. Es könnte auch sein, dass einige Passagiere die Fahrt gar nicht angetreten hätten.

Trotz der traurigen Nachricht freut man sich in Italien an einem. Im Gegensatz zu seinem unrühmlichen Kollegen Francesco Schettino von der «Costa Concordia» verliess Argilio Giacomazzi am Montag als letzter die brennende Fähre. Zuvor hatte der Kapitän der die Kontrolle über die «Norman Atlantic» italienischen Marine-Offizieren übergeben.

«Ihr könnt entspannen, mir gehts gut»

Die Übergabe nach einem 36-stündigen Drama mit mehreren Todesopfern hätte nicht würdevoller sein können - im Gegensatz zu Schettinos panischer vorzeitiger Flucht aus dem havarierten Kreuzfahrtschiff vor knapp drei Jahren. Auf die Idee, die brennende Fähre vorzeitig zu verlassen, wäre Giacomazzi nach Angaben seiner Tochter Giulia nie gekommen. «Unsere Familie durchlebt gerade schwere Zeiten, aber über eines bin ich mir sicher: Mein Vater wird alles für die Sicherheit seiner Leute und der Passagiere tun», sagte sie am Wochenende, als der Ausgang des Dramas noch unsicher war.

Eher nüchtern beruhigte der erfahrene Seemann nach seiner Rettung seine Familie: «Ihr könnt entspannen, mir gehts gut» sagte er am Telefon. «Es ist vorbei, ich komme nach Hause.» Wie sehr das Verhalten seines Kollegen Schettino - alias «Kapitän Feigling» - die Menschen in Italien beschämt hat, zeigt auch das Lob des Bürgermeisters von La Spezia für Giacomazzi.

Mit «Professionalität und enormem Mut»

Dieser habe Italiens jahrhundertealte Seefahrt-Tradition hochgehalten, sagte Massimo Federigi. Der 62-Jährige habe mit «Professionalität und enormem Mut» die Rettung der Insassen seiner Fähre organisiert. Nach «gewissen wohlbekannten Ereignissen» habe er damit das Ansehen des Landes gerettet.

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(sda/se/dbe)