Bürgerschreck am Saxofon, wegweisender Filmkomponist und Computerjazz-Pionier: Bruno Spoerri wird am 16. August 80 Jahre jung.

Die Haare sind grau geworden. Und die Stimme, die schon immer leise-näselnd noch Worten suchte, ist etwas fistelnder als auch schon. Doch sind die Worte einmal formuliert, bringen sie die Sache auf den Punkt und regen zum Nachdenken an.

Auf die «Goldene Ehrenmedaille» angesprochen, die ihm der Zürcher Regierungsrat kürzlich verliehen hat, sagt Bruno Spoerri: «Das hat mich gefreut, klar. Aber dieses Jahr kommt alles gehäuft.» Es folgt sein Lächeln zwischen Bescheidenheit und Selbstironie, dann der Nachsatz: «Der Absturz nächstes Jahr ist vorprogrammiert.»

Jay-Z in die Knie gezwungen

Vorerst aber lässt sich Bruno Spoerri feiern. Und er geniesst es unumwunden. Die mediale Aufmerksamkeit wird durch die Nominierung für den Grand Prix Musik 2015 des Bundesamtes für Kultur verstärkt.

Obwohl er solches kaum nötig hätte: Seit letztem Jahr wird weltweit berichtet vom musikalischen David, der den Kampf gegen einen vermeintlichen Goliath angetreten hat. Jay-Z, der hippe Rapper aus Brooklyn, hatte dem agilen helvetischen Jazz-Senioren nämlich dessen Komposition «On The Way» von 1978 geklaut und daraus seinen Mix «Versus» gebastelt. Spoerri wehrte sich - und gewann: Jay-Z muss 50 Prozent der Einnahmen aus «Versus» nach Zürich überweisen.

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Bebop, Elektronik, Jazzrock

Überraschungen wie diese sind typisch für Bruno Spoerri. Der verschmitzte Basler, der seit 1962 in Zürich lebt, hat der Musikszene schon mehrfach Frischluft beschert. In den 50er-Jahren brachte er Bebop und Cooljazz in die Schweiz. «Ich machte aus Basler Fasnachtsmärschen Jazzsongs, was nicht überall auf Begeisterung stiess.» So aber fand er Aufnahme bei den Avantgardisten um George Gruntz, mit denen er die Jazzszene aufmischte.

Wenig später der nächste Coup: Ab 1965 begann Spoerri seine Forschungen mit elektronischer Musik. Die Anregung dazu fand er in jener Zürcher Werbeagentur, die ihn als Klanggestalter engagiert hatte. «Der Werbefilm steckte in den Kinderschuhen. Wir mussten improvisieren, hatten aber kaum Budget. Also half ich mir mit Elektronik aus.» Spoerri entwickelte eigene Geräte, kombinierte sie mit seinem Saxofon und wurde zum innovativen und erfolgreichen Komponisten für Werbe-, Dok- und Spielfilme.

Stete Suche nach Neuem

Nebst dem Tüfteln und Komponieren blieb Spoerri stets auch Musiker. «Ich sehe mich als Improvisator mit Jazzhintergrund.» Er spielte in zahlreichen Bands etwa mit Albert Mangelsdorff, Clark Terry oder Lee Konitz. 1957 bis 1975 gehörte er zum legendären Metronom Quintett. In den 70er-Jahren gründete er mehrere Jazzrock-Formationen.

Musikalisch ausgebildet ist Spoerri nur rudimentär. «Ich besuchte Klavier- und Saxofonstunden. Komponist Robert Suter weihte mich in die Musiktheorie ein. Was mich stets antrieb, war die Suche nach Neuem.» Dies fand er auch im Spiel mit jungen Musikern. Bis heute gibt er Konzerte als Saxofonist, gestaltet Performances in Computer-Assisted-Jazz CAJ und entwickelt Klanginstallationen.

Neue Werke

Im Herbst erscheint seine neue CD «Memories». Der unermüdlich nach Vorne Wirkende blickt mit zunehmendem Alter auch zurück. Er schreibt musikhistorische Bücher, gibt Referate zur Jazzgeschichte, und in seinem Zürcher Atelier sei er «am Retten und Aufbereiten meines unveröffentlichten musikalischen Werks, damit es für allfällige Editionen bereit ist».

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Wieder stapelt er tief, denn Ende November, verrät seine Website, steht in Zürich die Uraufführung eines neuen Werks an.

(sda/dbe/ama)